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Einkaufen ist mehr als „Geld-für-Ware“

23.04.2019, von

Alexander Drechsel

Alexander Drechsel meint … (Foto: SWR)

So stehlen wir uns unsere Lebensfreude: Mit dem Auto zum Discounter und kurz vor Ladenschluss durch die Regalgänge gehetzt, EC-Karte raus, Einkäufe auf die Rückbank und weg. Alles an einem Ort, alles so günstig, alles so effizient.

Der Gegenentwurf geht so: Mit der Einkaufstasche in der Hand auf den Markt, dann zu Fuß weiter zum örtlichen Bäcker und vielleicht noch zum Fleischer. Lange Wege, meistens teurer, zeitintensiv – und doch so viel wertvoller. Das Schlendern durch die Nachbarschaft, der Plausch in der Schlange vor dem Gemüsestand, das Fachsimpeln mit der Verkäuferin. Mir diese Zeit mindestens am Samstag zu nehmen, ist für mich der wahre Luxus und ist mir viel wichtiger als das “Schnäppchen der Woche” aus dem Supermarkt. 

Ich befürchte nur, dass diese Einstellung zur aussterbenden Art gehört. Das legen Zahlen nahe, die heute der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) veröffentlich, wonach auch in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz es immer weniger Fleischer und Bäcker gibt. 

Was vordergründig als Wirtschaftsnachricht daherkommt, ist für mich ein weiteres Symptom einer auf schnellen Konsum ausgerichteten Individualgesellschaft: Sterbender Einzelhandel und schwindende Fachbetriebe vor Ort gehen einher mit weniger Nachbarschaft und dem Verlust von lokaler Identifikation. Es geht schlicht ein Stück Heimat und damit auch eigene Identität verloren.

Alexander Drechsel
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