. .

Der Traum vom wartungsfreien Garten

12.04.2019, von

Martin Rupps

Martin Rupps meint … (Foto: SWR)

Ein blühender Garten ist herrlich anzusehen – besonders in diesen Wochen, wenn viele Pflanzen in allen Farben blühen. Blöd nur, dass alles später wieder verwelken und verfaulen wird. Und Rasengräser höher wachsen als vier Zentimeter. Der wartungsfreie Garten ist noch nicht erfunden.

Doch, ist er! Immer mehr Gartenbesitzer bevorzugen Schotter statt Stauden, Kies statt Vergissmeinnicht. Mit Steinen gefüllte Käfige ersetzen Hecken mitsamt Heckenscheren. Alles in diesen „Steingärten“ sieht perfekt geplant und gestaltet aus – und ziemlich tot.

Diese Schotterwüsten sind eigentlich Antigärten, weil sie die Grundprinzipien des Gärtnerns beerdigen. Pflanzen werden getilgt, Insekten vertrieben. Dort kann man für Kinder keine Ostereier verstecken (jedenfalls keine bunten). In einem solchen Garten darf ein Kind nicht hinfallen, denn das wird schnell blutig.

Naturschützer fordern ein Verbot des Steinkults. In Heilbronn sind Schottergärten in Neubaugebieten bereits tabu. Im Mainzer Rathaus wird darüber nachgedacht, Steinwüsten den Gartenstatus abzusprechen. Ich werde über Ostern Steingärten aufsuchen und Schälchen mit Marmelade und Honig verteilen. Dann kommen wenigstens die Insekten zurück.

Martin Rupps
Multimediale Chefredaktion

Sie sind meiner Meinung oder, noch besser, Sie sind es nicht? Schreiben Sie mir: martin.rupps@swr.de

Die Kolumne „Martin Rupps meint…“ erscheint als Teil des „SWR Aktuell Newsletter“. Der Newsletter informiert nachmittags kompakt via E-Mail über das Wichtigste des Tages und bündelt Links sowie Programmtipps zu SWR Angeboten. Sie können ihn hier kostenlos abonnieren. 

Schreibe einen Kommentar

*

Archiv

Kategorien

 

Der SWR ist Mitglied der ARD.

Impressum | SWR ©2019