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Die Mittelschicht schrumpft wie das Eis am Südpol

11.04.2019, von

Martin Rupps

Martin Rupps meint … (Foto: SWR)

In Deutschland schrumpft die Mittelschicht. Laut einer Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) fiel der Anteil der Familien mit mittlerem Einkommen in den letzten 30 Jahren auf jetzt 64 Prozent. Als Gründe nennt sie, dass die Einkommen von Mittelschichtsangehörigen langsamer wachsen als die der Reichen. Zugleich wird ihr Leben stetig teurer. Die Mittelschicht wendet heute durchschnittlich 35 Prozent ihres Einkommens fürs Wohnen auf. „Heute braucht ein Familienhaushalt zwei Verdiener, um Teil der mittleren Einkommensklasse zu werden“, heißt es in der Studie weiter.
 
Die nüchtern formulierten Studienergebnisse drücken nichts weniger als eine dramatische Entwicklung aus. Wer heute in Westdeutschland 50 und älter ist, hat in der Familie fast immer nur einen Ernährer, meist den Vater, erlebt und muss heute selbst in der Familie zwei Einkommen erzielen, um den Lebensstandard zu halten. Für die nächste Generation sieht die OECD-Studie noch schwärzer: Immer weniger Frauen und Männer werden es aus der unteren Einkommensklasse in die Mittelschicht schaffen.
 
Deutschland ist fraglos ein reiches Land. Aber die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auf. Die wachsenden Existenzängste der Mittelschicht sind ein Nährboden für Sozialneid und Fremdenhass. Die Bundesregierung wird nicht müde zu betonen, dass es dem Land wirtschaftlich besser geht denn je. Das stimmt so nicht. Tatsächlich geht es immer weniger Normalverdienern und immer mehr Gutverdienern besser denn je!

Martin Rupps
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