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Ryanair bitte zur Kasse!

23.10.2018, von

Kirsten Tromnau

Kirsten Tromnau meint … (Foto: SWR)

Die irische Fluglinie Ryanair plant nach Medienberichten, den Flughafen Hahn im Hunsrück zu verlassen. Der Flughafen bezeichnet diese Nachricht inzwischen als „völligen Unsinn“. Das wundert mich nicht. Käme es so, wäre es für den Flughafen eine Katastrophe. Vor fast 20 Jahren war der Hunsrück-Flughafen der erste Standort der Billigfluglinie in Deutschland. Bisher beteuerte Ryanair-Chef Michael O´Leary stets, dass die Fluglinie niemals ihr „Mutterhaus“ in Deutschland verlassen werde. Eine ewige Garantie? Am Flughafen Hahn ist man Bangen und Zittern, Hinhalten und Warten, Betrogen und „Verkauftwerden“ gewöhnt.

Die Billigfluglinie Ryanair ließ sich europaweit ganz gezielt an kleinen Regionalflughäfen nieder. Für große Airlines waren diese Flughäfen finanziell und strategisch nicht interessant. Ryanair hingegen bekam den roten Teppich ausgerollt: Vergünstigte Vertragsbedingungen und Zuschüsse für Ryanair. Die Flughäfen wiederum wurden von öffentlicher Hand finanziell unterstützt. Doch diese paradiesischen Zustände sind vorbei – die EU hat einen Schlussstrich gezogen. Die Regionalflughäfen müssen künftig ohne Zuschüsse auskommen.

Dadurch sind die meisten Regionalflughäfen für Ryanair zu teuer und unattraktiv geworden. Die Fluglinie verlegt deshalb ihre Maschinen an die großen Flughäfen, unter anderem nach Frankfurt und Düsseldorf. Für den Flughafen Hahn bedeutet das so oder so ein Abschied von Ryanair – ob auf Raten oder auf einen Schlag schon Anfang 2019 spielt keine große Rolle.

Die Wettbewerbshüter der EU sollten genau hinschauen, mit wie viel Geld Ryanair an den Regionalflughäfen bezuschusst wurde und ob sie nicht ein Teil davon zurückzahlen muss. Die EU-Kommission prüft derzeit Marketingzuschüsse für Ryanair am Flughafen Montpellier – ein erster und richtiger Schritt. Ein solches Prüfverfahren möchte ich auch für Ryanair und den Flughafen Hahn. Ryanair, zur Kasse bitte!

Kirsten Tromnau
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