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Die Einschläge kommen näher

11.10.2018, von

Martin Rupps

Martin Rupps meint … (Foto: SWR)

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) kritisiert Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) dafür, dass sie auf europäischer Ebene einem Kompromiss zur Reduzierung des Kohlendioxid-Ausstoßes von Neuwagen zugestimmt hat, der strenger ist als in der Bundesregierung vereinbart. Volkswagen-Chef Herbert Diess schwingt sogleich die Arbeitsplätze-Keule, er sieht 100.000 Stellen bedroht.

Solche Wort-Scharmützel zeigen, dass die Einschläge näher kommen. „Strukturwandel“ nennen es Wissenschaftler verharmlosend, wenn ein ganzer Industriezweig untergeht. Das passierte in der Wirtschaftsgeschichte immer wieder, in der Moderne allerdings in immer kürzerer Folge. In den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts trat der Computer seinen Siegeszug an, vernichtete viele Arbeitsplätz und schuf viele neue. Bereits in den siebziger Jahren gaben viele Bauern ihre Höfe auf. In den Sechzigern begann das große Zechensterben.

Als nächstes wird es die Hersteller von Verbrennungsmotoren und ihre Zulieferer treffen. Allein in Deutschland gibt es um die 800.000 Arbeitsplätze in der Autoindustrie. Der Strukturwandel wird ablaufen wie immer: Mitarbeiter kämpfen für die Rettung ihrer Traditionsstandorte, manche mit Erfolg, die meisten vergeblich. Ein paar Leute – die Jungen, noch Umschulungswilligen – schaffen den Sprung in eine neue Zeit, der Rest fällt ins soziale Netz.

Dem Südwesten steht eine Strukturkrise bevor, wie sie das Ruhrgebiet schon hinter sich hat und die neuen Länder gerade durchlaufen. Wann endlich sprechen Bundes- und Landespolitiker über dieses Szenario Klartext? Wann lassen sie die Öffentlichkeit wissen, was sie tun, um seine voraussehbar schmerzliche Wirkung zu lindern? Das gäbe einmal eine Sonntagsrede mit Substanz statt mit dem üblichen Appell-Palaver.

Martin Rupps
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Kommentare zu „Die Einschläge kommen näher“

Es ist ein Kommentar vorhanden. Ich möchte einen Kommentar verfassen.

  1. Jan
    schreibt am 14. Oktober 2018 17:04 :

    Ich bin froh das endlich Bewegung reinkommt. Wäre ja nicht mehr lange gut gegangen.

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