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Das Baukindergeld hilft nicht wirklich!

18.09.2018, von

Jana Lange

Jana Lange meint … (Foto: SWR)

Manchmal dauert es einen Moment, bis man merkt, dass man gerade an der Nase herumgeführt wurde. Mir ist das bei einem Herzensprojekt von Bundesbauminister Horst Seehofer (CSU), dem Baukindergeld, so gegangen. Eine gute Sache dachte ich, endlich wird mehr für junge Familien getan. Bei den gestiegenen Wohnungs- und Immobilienpreisen in den größeren Städten und Ballungszentren ist „die Politik“ endlich aufgewacht. Zu schön, um wahr zu sein.
 
Klar, manchen Familien bringt das Baukindergeld tatsächlich etwas. Wer in Regionen mit niedrigen Immobilienpreisen lebt, profitiert – in manchen Landstrichen Bayerns etwa. Wie praktisch für Horst Seehofer. Ein echtes Problem für junge Familien ist aber der Mangel an bezahlbarem Wohnraum, dort wo es auch Arbeit gibt, nämlich in den Ballungsräumen und Großstädten.
 
Ein kleines Rechenspiel: Ich lebe in einem familienfreundlichen Wohnviertel in Karlsruhe. Tempo 30 in den Straßen, es ist grün und ruhig, Kindergarten und Grundschule sind um die Ecke. Neulich stand ein freistehendes Einfamilienhaus mit 120 qm Wohnfläche und Garten zum Verkauf. Preis: 900.000 Euro. Solche Preise sind keine Seltenheit in den Großstädten im Südwesten. Und selbst, wenn es „nur“ die Hälfte kosten würde: Für eine Kreditfinanzierung empfehlen Experten einen Eigenanteil von mindestens 25 Prozent.
 
Wer nicht geerbt hat oder anderweitig zu Geld gekommen ist, kann sich das nicht leisten. Das Baukindergeld wird daran nichts ändern, es kommt hauptsächlich der oberen Mittelschicht zugute. Das Fatale ist, dass über die Steuer es letztlich alle mitfanzieren – auch die Familien, die sich weder Eigentum noch eine angemessene Mietwohnung leisten können. Dieses politische Herzensprojekt frustriert.

Jana Lange
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