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Hilfe im Notfall? Nicht in Ladenburg.

18.04.2018, von

Jana Lange

Jana Lange meint … (Foto: SWR)

Wer die Notrufnummer 112 wählt, erwartet schnelle und kompetente Hilfe von Feuerwehr oder Rettungsdienst. Allerdings sollte man möglichst nicht im Rhein-Neckar-Kreis sein, wenn etwas passiert. Denn wer hier den Notruf wählt, landet in der „Integrierten Leitstelle Rhein Neckar“ in Ladenburg. Seit längerem ist dort der Wurm drin, weshalb sich jetzt der Arbeiter-Samariter-Bund aus der Leitstelle zurückzieht.
 
Offenbar sind die Probleme dort aber größer. Laut interner Protokolle, die dem SWR vorliegen, sollen Disponenten eingehende Notrufe nicht angenommen haben.
 
Es ist offensichtlich ein Führungsproblem, wie in vielen anderen Unternehmen auch. Die Bedingungen sind schwierig, die Führungskraft weiß nicht, was die Mitarbeiter treiben oder kann nicht durchgreifen, alle Mitarbeiter leiden. Das ist demotivierend, keine Frage.

Aber in der Leitstelle in Ladenburg ist auch jeder Mitarbeiter verantwortlich für sein eigenes Handeln. Wer bitte geht nicht ans Telefon, wenn ein Notruf reinkommt? Wer lässt verängstigte Mütter, panische Autofahrer, verzweifelte Angehörige ernsthaft unnötig lange warten? Was ist das denn für eine (Arbeits-)Moral – problematische Strukturen hin oder her!
 
Die Wartezeit bei einem Notruf in Baden-Württemberg beträgt im Durchschnitt etwa sechs Sekunden. In Ladenburg sind es bis zu 50 Sekunden. Erst danach wird ein Rettungswagen losgeschickt. Und bis der losfährt dauert es in Ladenburg meist sechs Minuten, statt der landesweit angestrebten einen Minute. 

Die große Mehrheit der Rettungsdienstmitarbeiter im Land machen einen großartigen Job! Aber können sich diejenigen, die aus Frust ihre Arbeit nicht richtig machen, morgens noch im Spiegel anschauen? Und können deren Chef es? Solche Leute haben in der Notfallrettung wirklich nichts verloren.

Jana Lange
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Kommentare zu „Hilfe im Notfall? Nicht in Ladenburg.“

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  1. Marion
    schreibt am 26. April 2018 23:55 :

    Das ist ja mal eine Frechheit, es gibt sicher genügend arbeitslose Rettungskräfte, die ganz bestimmt einen besseren Job machen und die es mehr verdient hätten einen Arbeitsplatz zu bekommen anstelle solcher Möchtegernrettungskräfte. Wenn man diesen doch so wichtigen Job nicht mit Leib und Seele nachgehen kann dann muss man sich fragen ob man nicht fehl am Platz ist. Bei einem Rettungseinsatz zählt jede Minute, manchmal sogar Sekunden um Menschenleben zu retten. Sowas kann ich absolut nicht verstehen und da müsste man sofort durchgreifen und ich hoffe auch nach diesem Artikel, der jetzt in der Öffentlichkeit steht, dass es eine Auswirkung haben wird.

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