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NS-Verbrechen gehören vor Gericht!

16.04.2018, von

Jana Lange

Jana Lange meint … (Foto: SWR)

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat Anklage gegen einen Mann erhoben, der als Wachmann im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau gearbeitet haben soll. Er ist heute 94 Jahre alt und lebt im Raum Mannheim. Ob das Gericht die Anklage überhaupt zulässt oder der Gesundheitszustand des Angeklagten eine Verhandlung zulässt, ist wie so oft in solchen Fällen unklar. Macht dann das Ganze dann überhaupt einen Sinn? 

Diese Frage ist so alt wie die Strafverfolgung von NS-Tätern in Deutschland. Klar, heute ist es eigentlich viel zu spät. Jahrzehntelang sind diejenigen davongekommen, die als Haupttäter viel mehr Schuld auf sich geladen hatten. Jetzt sind sie tot. 

Es geht um Mord. Mord verjährt nicht, die Beihilfe dazu auch nicht. Warum sollte man nicht auch sehr alte Menschen mit ihren Taten konfrontieren? 

Ja, die Taten liegen sehr lange zurück. Aber auf der anderen Seite stehen die Opfer von damals, die den Holocaust überlebt haben, deren Familien ermordet wurden, die ihr Leben lang mit diesen Erlebnissen leben mussten. Das KZ-System hat nur deswegen „so gut“ und mörderisch funktioniert, weil die SS-Wachmannschaften dazu beigetragen haben.  

Mir hat vor kurzem ein Holocaustüberlebender bei Dreharbeiten in Israel gesagt, dass er nicht vergessen könne, was er erlebt habe und dass es für ihn keinen Sinn ergebe, diese alten Männer einzusperren. Das verstehe ich. Es bringt ihm seine Familie, die von den Nazis ermordet wurde, nicht zurück. Aber erst dank eines der späten Ermittlungsverfahren hat er nach 70 Jahren erfahren, was mit seiner Familie geschah. Sie wurde in den Gaskammern von Auschwitz ermordet. Also ja, die späte Verfolgung der NS-Verbrechen macht Sinn!

Jana Lange
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