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Wachsende Kinderarmut – ein Armutszeugnis für uns alle

15.09.2017, von

Armut raubt Kindern Entwicklungschancen. (Foto: dpa)

Armut ist keine Schande. Es ist aber eine Schande, dass jedes Jahr immer mehr Kinder in unserem reichen Land von Armut bedroht sind. Das untermauert der aktuelle Familienbericht 2017. Warum perlt das an vielen spurlos ab? Warum rebelliert dagegen kaum einer? Doch wohl nicht, weil ein großer Anteil davon Kinder aus Migrantenfamilien sind. Es sind Kinder, sie sind wehrlos. Arme Kinder wachsen auf zwischen Tafeln, Sozialkaufhäusern, Fertiggerichten vom Discounter und zur Entschädigung vielleicht mit der Kilo-Dose Eis für 1,99 auf dem Schoß ruhig gestellt vor der Glotze sitzend.

 

Ich habe 4 Kinder und  4 Enkelkinder.  Ich finde es armselig, wie wir immer noch Kinder ihrer Zukunft berauben. Es geht nicht mehr darum, ob Kinder genug zu Essen haben. Es ist keine Kalorienfrage. Es geht nicht darum, ob es einen Kita-Platz gibt. Es sind Qualitätsfragen. Wie gut ist die Ausstattung, wie gesund sind die Lebensbedingungen, wie überfordert und gestresst sind die Eltern, das Personal in der Kita, wie sind die Chancen auf Bildung, auf Entfaltung möglichst vieler Fähigkeiten, auf die Entwicklung hin zu einem selbstbestimmten, zufriedenem Leben. Diese Punkte werden für immer mehr Kinder immer schlechter. Seit Jahrzehnten.

Die Hilfen reichen nicht

Wir tun viel, Familienpolitik findet statt, wir haben Ganztagsschulen, wir haben das Anrecht auf einen Kitaplatz, wir haben Kindergeld. Die Hilfen für Alleinerziehende sind größer geworden.  Aber es reicht nicht. Vorne und hinten nicht. Für immer mehr Familien. Wenn eine Familie Spitz auf Knopf kalkulieren muss, dann reicht es vielleicht für die Winterjacke und die festen Schuhe für den Nachwuchs, dann ist aber für mehr kaum noch etwas übrig: für Schwimmbad, für Puppentheater, für einen Familienausflug. Ein Job reicht vielen Eltern nicht mehr zum Überleben. Eltern als Doppelverdiener, deren Nerven ins Flattern geraten, wenn in der Kita Ferien sind, wenn der Arbeitgeber sie schief anguckt, wenn sie wieder zuhause bleiben müssen, weil das Kind krank ist.

Einen Schatz umhegen

Ich verstehe so schwer, dass wir nicht auf Kinder schauen, wie auf einen kostbaren Schatz. Der braucht unseren Schutz, den müssen wir pflegen, umhegen. Wir alle, ob wir nun selbst Kinder haben oder nicht. Wie können wir es ertragen, dass Jahr für Jahr immer mehr Kinder in die Abgründe von Armut gedrängt werden? Das ist ein Armutszeugnis für uns alle.

 

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