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Wohnen darf nicht Luxus sein

14.09.2017, von

Das Mietroulette führt in die Armut. (Foto: dpa)

Was für ein Irrsinn: Millionen Menschen müssen inzwischen die Hälfte oder sogar noch mehr von Ihrem Einkommens für die Miete ausgeben. Das nehmen wir als Gesellschaft einfach hin. Dabei ist offensichtlich: Es wird jedes Jahr schlimmer. Ich will das nicht mehr länger hören: Ist halt so, kann man nichts machen, ist das Marktgesetzt, muss man eben rausziehen aufs Land, da ist es billiger. Was für ein Zynismus, wenn da Sätze gesagt werden wie: Kannst dann ja ruhig zwei Stunden pendeln, in Amerika fahren die Menschen doch noch viel weiter zur Arbeit. Ich habe es nicht vergessen: Wir hier in Deutschland waren mal ein Aushängeschild für sozialen Wohnungsbau. Es gab Jahrzehnte, da war nicht bloß Gewinnmaximierung und Rendite-Geilheit die Bibel des Wohnungsmarktes. Sozialwohnungen, die im Nachkriegsdeutschland gebaut wurden, waren erschwinglich, subventioniert, genossenschaftlich organisiert.
Wer dort wohnte und mit den Jahren immer besser verdiente zahlte dann eine gerechte Fehlbelegungsabgabe – klaglos. Er zahlte mehr Miete, als den vorgeschriebenen Satz. Denn damals herrschte quer durch alle Schichten in der Gesellschaft Einigkeit darüber, dass wir Menschen, die finanziell nicht auf Rosen gebettet sind, saubere, würdige und bezahlbare Wohnungen bauen müssen – mit staatlichen Bauprogrammen.

Das Miet-Roulette macht arm

Viele der Wohnungen von damals sind inzwischen in die Händen von Immobiliengesellschaften gelangt, an der Mietschraube wird so lange gedreht, bis bei den Familien vom Haushaltseinkommen kaum noch etwas übrig bleibt für ein würdiges Leben in der Mitte der Gesellschaft. Und wir? Wir sind die Gesellschaft: Wir schauen zu, wir zahlen Mietzuschüsse, wir sehen, wie Familien durch das Mietroulette gezwungen werden, sich bis an die Grenzen runterzuwirtschaften.
Ich finde das zutiefst unsozial und es erschreckt mich.

Sozialer Wohnungsbau im großen Stil

Wir brauchen einen neuen Masterplan. Sozialwohnungen bauen – im großen Stil!
Das nutzt der Mitte der Gesellschaft, der Bau von Sozialwohnungen nutzt Polizisten, nutzt Kindergärtnerinnen, Studenten, Bandarbeitern, Busfahrern.
Wohnen darf nicht Luxus sein.

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