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Deutsche Hysterie

11.08.2017, von

Martin Rupps meint...

Martin Rupps meint… (Foto: SWR)

Samstag ist Autoputztag. Viele Dieselfahrer werden morgen betröppelt auf ihr „Heilix Blechle“ gucken, wie die Schwaben das Auto liebevoll nennen, auf ihr heiliges Blech. Einst kauften sie ihren Diesel in dem Glauben, dass er „sauber“ sei. Jetzt rechnen sie rauf und runter, wieviel Geld sie mit ihm – auch ganz wörtlich – verbrannt haben.

Die Dieselfahrer sind Opfer einer deutschen Hysterie, gegen die Vernunftsargumente so viel bewirken wie ein Regenschirm im Hurrikan. Wer weiß schon, dass die zulässige Stickstoffoxid-Belastung am Arbeitsplatz 950 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft beträgt, der Grenzwert auf der Straße dagegen 40 Mikrogramm?
Die Grenzwerte sind so gestaltet, als hielten wir uns am Arbeitsplatz eine Stunde und im Auto bis zu zehn Stunden am Tag auf. Übrigens: Erst die vierzigfache Menge der 950 Mikrogramm Stickstoffoxid pro Kubikmeter Luft führt beim Menschen zum Tod.

Wer weiß schon, dass für Stickoxide nur eine gesundheitliche Gefahr nachgewiesen ist, die Reizung der Atemwege? Und was ist mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, verminderter Fruchtbarkeit, Entwicklungsstörungen bei Babys und Kleinkindern, Krebs? Kokolores.

Im Straßenverkehr wird ohne Zweifel viel Stickstoffoxid produziert, aber nur sieben Prozent davon kommen aus dem Diesel.

1990 wurden in Deutschland mehr als doppelt so viel Stickstoffoxide ausgestossen wie heute. Nicht schlecht, oder? Doch die Jagd auf den Diesel ist eröffnet – zum Nutzen der Autobauer, Politiker, Naturschützer, und zum Schaden derer, die morgen ihr Auto putzen.

Martin Rupps
Chefredaktion Nachrichten und Distribution

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