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Willkommenskultur? Die Verniedlichung des Raubtiers

10.08.2017, von

 

Junger Wolf (dpa)

Junger Wolf (dpa)

Hätte es das kleine Rotkäppchen der Gebrüder Grimm gut gefunden, wenn der böse Wolf mit des Jägers Büchse einen Fangschuss bekommen hätte? Wahrscheinlich schon. Immerhin soll sie ja auch zugesehen haben, wie ihr Retter, der Jäger, dem Wolf Steine in den Bauch genäht hat, um ihn sodann zu ertränken. Allerdings hatte der Wolf Rotkäppchen ja zuvor gefressen, eine gewisse Rechtfertigung für Rachegedanken will man ihr nicht absprechen.

 

Dafür, dass auch der im Schluchsee gefundene tote Wolf zuvor kleine Mädchen gefressen hat, spricht nichts. Es gab keinen Grund, das Tier zu töten und es derart demonstrativ in den See zu werfen. Auch sonst stimme ich mit vielen Menschen überein, die fassungslos sind, wie man ein solch seltenes, faszinierendes Tier derart demonstrativ töten und entsorgen kann. Laienpsychologisch vermute ich: Der Täter wollte seinen Hass auf das Tier zur Schau stellen.

Allerdings scheint nicht nur der Täter das rechte Maß im Umgang mit dem Wolf verloren zu haben. Auch in den Reaktionen auf den toten Wolf entdecke ich fragwürdige Grenzüberschreitungen: So wurde das Tier „ermordet“ (geht nur bei Menschen) und es ist von einer „Willkommenskultur für den Wolf“ die Rede – was nett gemeint sein mag, aber bei näherer Betrachtung des Vergleichs auch ganz schön danebengeht.

Aus dem Blick scheint mir zu geraten: Der Wolf ist nicht mehr und nicht weniger als ein seltenes Raubtier. Das in unsere Wälder gehört – aber deswegen nicht gleich unser bester Freund werden muss. Das eine (natürliche) Bedrohung für andere Tiere ist – aber deswegen nicht grenzenlos dämonisiert werden muss.

Ein Wolf ist ein ganz normales Raubtier. Und es ist schade, dass dieser Satz so befremdlich wirkt.

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