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Türkei-Urlaub zu verschenken!

21.07.2017, von

Martin Rupps meint...

Martin Rupps meint… (Foto: SWR)

Ich schaue voraus: Ein Türkei-Urlaub wird demnächst genauso schwer zu verkaufen sein wie ein Weihnachtsbaum an Ostern.

Nein, die Deutschen werden das Land nicht aus Protest gegen den Präsidenten oder aus Furcht vor Randale meiden. Sie werden wegbleiben, weil Sie in keinem leeren Hotel wohnen und an keinem leeren Strand liegen wollen. Zur Zeit ist da unten noch etwas los, aber die Furcht, im Hochsommer Urlaub zu machen wie in der Nachsaison, erzeugt die Nachsaison mitten im Sommer.

Natürlich, es trifft erst einmal die Falschen: Die Reisegesellschaften in Deutschland und, noch schlimmer, die Beschäftigten in der Tourismusbranche am Ort. Die Reisegesellschaften gehen daran nicht kaputt (andere Länder sind ja auch ganz schön). Und die Beschäftigten, die Erdogan gewählt haben, sollen im eigenen Geldbeutel erleben, was dessen Politik mit dem Land macht.

Mir tun nur die Erdogan-Gegner unter den Betroffenen leid. Für sie wird der Alltag jetzt noch schwerer. Sie müssen früher oder später für die Rettung der Demokratie auf die Straße gehen. Außenminister Sigmar Gabriel hat diesen Protest beschleunigt, aber nicht verursacht.

Der Sozialismus und Kommunismus im damaligen Ostblock ist nicht an der Strahlkraft westlicher Demokratien gescheitert, sondern an den leeren Gemüseregalen und den stinkenden Zweitaktern vierzig Jahre nach Kriegsende. Dem türkischen Regime wird zuhause viel verziehen – aber nicht die Armut.

Mein früherer Chef pflegte zu sagen: Manchmal müsse man seinen Revolver auf den Tisch legen, damit die andere Seite an die Waffe erinnert werde. Der deutsche Außenminister ist mein Revolverheld der Woche!

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