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Kampf gegen die Lang-LKW

05.04.2017, von

Lang-LKW

Lang-LKW sollen per Gerichtsentscheid gestoppt werden. Foto: dpa

Mehrere Umwelt-und Verkehrsverbände haben Klage gegen den Einsatz von Riesen-LKW auf deutschen Straßen eingereicht. Gleichzeitig rufen Sie zu Online-Protesten auf. Ich befürchte, der Zoff um die 25-Meter-Kolosse könnte sich zu einer Never-ending-Story auswachsen – so wie wir es bei der Maut erlebt haben. Was viele heute überrascht haben mag, hab ich schon vor Monaten kommen sehen. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt hatte seine Lang-LKW-Verordnung zwischen Weihnachten und Neujahr in einem Durchmarsch ohne Fingerspitzengefühl durchgeboxt und die Kritiker vor vollendete Tatsachen gestellt. Er  hat nicht einmal abgewartet, bis aus Baden-Württemberg eine zusätzliche, schon laufende, teure wissenschaftliche Untersuchung über die Folgen durch die Lang-LKW vorgelegt werden konnte. 

Vorurteile statt Fakten

Seit Anfang des Jahres sind die Lang-LKW auf einem ausgewählten Streckennetz zugelassen. Die Umweltverbände poltern mit Empörung. „Der Freifahrtschein für Riesen-LKW ist ein unzeitgemäßes Geschenk des Bundesverkehrsministers an die LKW-Lobby. Drei Viertel der Deutschen sind gegen Gigaliner auf unseren Straßen“, begründet das Bündnis nun beim Verwaltungsgericht Berlin die eingereichte Klage. Was sie nicht mitteilen: Die Umfrage haben sie in Auftrag gegeben, der Informationsstand über die Lang-LKW ist bei vielen eher geprägt von Vorurteilen und Emotionen als von Fakten. Bei meinen Recherchen zu den Kolossen habe ich mit vielen Autofahrern gesprochen und immer wieder ist mir da die Sorge begegnet, von den Lang-LKW im Verkehr extrem eingeschränkt zu werden. Auch das Argument: Dann haben wir noch mehr Straßenschäden und dann kommt man an LKW gar nicht mehr vorbei, ist verbreitet.

Länger, aber nicht schwerer

Die LKW im XXL-Format können bis knapp über 25 Meter lang sein – fast sechseinhalb Meter länger als derzeitige LKW. Das entspricht etwa einer PKW-Länge. Sie sind zwar extra-lang, aber nicht extra schwer: Höchstgewicht 44 Tonnen. Damit sind sie nicht schwerer als herkömmliche LKW. Lang-LKW strapazieren die Straßen und Brücken weniger als gleichschwere herkömmliche LKW. Das liegt daran, dass sich das Gesamt-Gewicht bei den langen Kolossen auf mehr Achsen verteilt. Das Achslast ist entscheidend für die Straßenabnutzung. Zwei Lang-LKW können durch ihr grösseres Ladevolumen genauso viel transportieren wie bis zu drei normale LKW. Dadurch brauchen die Lastwagen im XXL-Format für die gleiche Transportaufgabe bis zu 25 Prozent wenig Kraftstoff. Die CO2-Emissionen werden deutlich verringert. Der Transport auf der Straße ist für den Handel preiswerter. Kritiker fürchten, das deshalb noch mehr Gütertransporte von der Bahn abgezogen werden und auf der Straße landen. Weil die Giganten nicht schwerer beladen werden dürfen als herkömmliche LKW sind sie attraktiv für Güter, die nicht sehr schwer sind, aber viel Raum brauchen – das sind einfach dann Produkte, die nicht in das „Beuteschema“ der Bahn passen.

Schreckensbild ist hoch unwahrscheinlich

Derzeit sind es immer noch sehr wenige Lang-LKW, die auf den streng ausgewählten Strecken unterwegs sind – vor allem Autobahnen. Die letzte offizielle Zahl ist knapp vier Monate alt: 60 Speditionen fahren mit 161 lang-LKW durch Deutschland. Rückfahrkamera, Traktionskontrolle, Spurhaltewarnsystem – die Sicherheitsstandards für Lang-LKW sind besonders hoch. Der Bremsweg der Giganten ist nicht länger als bei herkömmlichen LKW sondern sogar bis zu einem Drittel kürzer.

Nach wissenschaftlichen Studien eignet sich wirtschaftlich nur ein winzig kleiner Anteil des Güterverkehrs für die Lang-LKW. Von den Milliarden Kilometer, die LKW jedes Jahr bei uns fahren kommen danach höchstens 0,2 bis 0,3 Prozent für die Giganten in Frage. Das heißt: Das Schreckensbild von Gigaliner, die in Zukunft in Massen unsere Autobahnen noch mehr verstopfen, ist hoch unwahrscheinlich.

Deshalb sind die Lang-LKW und ihre Zulassung auf einem streng begrenzten Streckennetz weder der Untergang des Abendlandes, noch sind sie der Generalschlüssel für die Lösung unserer Transportwege. Ja, die Parkplätze auf den Autobahnen sind überfüllt und da muss investiert werden. Ja, neue Tunnel müssen etwas längere Nothaltebuchten haben, damit im Unglücksfall auch einer der wenigen Lang-LKW auch da reinpasst. Aber das hochzustilisieren und zu skandalisieren halte ich für unangemessen. Die Lang-LKW in Deutschland können ein kleines Puzzle-Teil in einem hoch komplexen und hoch komplizierten Transportgeflecht sein.

 

 

 

 

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