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Worte stinken

03.04.2017, von

Martin Rupps meint...

Martin Rupps meint… (Foto: SWR)

Die Zukunft kommt mit jedem Tag näher.

Das klingt wie ein dummer Spruch, beschreibt aber, was hinter den Schlagzeilen um „Dieselgate“ und „Radschnellwege“ steckt: Unsere Vorstellung von Mobilität kommt ins Rutschen. Ob wir wollen oder nicht, wir müssen bald auf anderen Wegen und auf andere Weise von A nach B kommen. Sehr bald. Wann? Wie? Das wissen wir noch nicht.

Wir wissen aber, dass es nicht mehr lange so weitergeht. Der Ruf des Dieselmotors ist ramponiert. Stuttgart sperrt die City für die schlimmsten Stinker. Die Maut kommt. Die Autobahn für Radfahrer kommt. Der Staat schießt Geld für Elektroautos hinzu.

In nicht allzu ferner Zukunft, sage ich voraus, bekommen wir komplett autofreie Innenstädte. Die Unternehmen organisieren und bezahlen Pendler-Initiativen im großen Stil. Das Benzin wird fünf Euro pro Liter kosten, um Elektroautos konkurrenzfähig zu machen.

Heute schon pendeln zwei von drei Arbeitnehmern morgens nach Stuttgart hinein und abends wieder aus dem „Kessel“ heraus. Die Attraktivität eines Arbeitsplatzes wird immer mehr davon abhängen, wie bequem dieser Arbeitsplatz ohne Auto zu erreichen ist.

Ich finde es jämmerlich, wie wenig die Politik zu dieser wichtigen Debatte beiträgt. Sie lässt Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn im Feinstaub stehen. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann ließ heute nach einem Besuch bei Daimler in einer Pressemitteilung verbreiten, die Dieseltechnologie könne „als Übergangstechnologie zur Elektromobilität eine wichtige Rolle spielen“.

Was für ein Quatsch. Hier stinkt sogar der Satz, der dieselfahrende Wähler beschwichtigen soll, zum Himmel!

Martin Rupps
Chefredaktion Nachrichten und Distribution

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