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Ich bin der Martin, ne

31.03.2017, von

Martin Rupps meint...

Martin Rupps meint… (Foto: SWR)

Es war schon immer nicht leicht, einen Vornamen zu haben.

Zu einer Zeit, als Jungs noch „Karl-Otto“ getauft wurden (ist schon etwas her), sang Heinz Erhardt „Ein Loch ist im Eimer, Karl-Otto-Karl-Otto…“.

Auch Mike Krügers Hit „Mein Gott, Walther“ beerdigte diesen Taufnamen auf lange Zeit.

Dann kam Diether Krebs mit seinem „Ich bin der Martin, ne“. Der zweite Refrain im Lied lautet „Martin my love“. Die Legende unter den Namensliedern!

Fast auf den Tag 25 Jahre, nachdem Diether Krebs seine „Martin, ne…!“-Platte auf den Markt brachte, wird ein neuer „Martin“ mit dem Namen assoziiert. Die Eltern von Martin Schulz konnten nicht ahnen, dass ihr jüngstes von fünf Kindern einmal zur sozialdemokratischen Lichtgestalt avanciert. Zum Sankt Martin der deutschen Politik.

Heute spricht der bekannteste lebende Martin (Martin Luther wollte ja seine Kanzlerkandidatur nicht miterleben) zu den Genossen in Mannheim. Der Andrang war so groß wie seit Willy Brandts Zeiten nicht mehr. Die SPD und Mannheim – war da nicht was? Ach ja, 1992 stürzte dort Oskar Lafontaine den Parteivorsitzenden Rudolf Scharping und ließ sich selbst wählen. Das ist gefühlte tausend Jahre her.

Bis vor wenigen Wochen hätte ich noch geschrieben, Martin Schulz sehe aus wie ein Polizeibeamter im mittleren Dienst (sein Vater war einer). Ich hätte behauptet, ein Politiker mit so wenig Profil konnte nur in Europa etwas werden.

Heute traue ich mich nicht mehr, so etwas zu schreiben. Die alten Währungen zur Beurteilung von Politikern sind wertlos geworden.

Die Wahlkampfdramaturgen der Union haben mal zum Auftritt von Angela Merkel das Stones-Lied „Angie“ aufgelegt. Wie wäre es bei Martin Schulz mit „Martin my love“? Wenn es so kommt, möchte ich von den Roten zum Bier eingeladen werden – auf ein Freiburger Martin’s Bräu!

Ich bin der Martin, ne Rupps
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