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Verkauf des Flughafens Hahn: Gute Entscheidung, leider viel zu spät

01.03.2017, von

Flughafen Hahn

Flughafen Hahn (Foto: dpa)

Es ist eine gute Entscheidung der Landesregierung, den Flughafen Hahn an die chinesische HNA Gruppe und die pfälzische ADC GmbH zu verkaufen. Ein kurzer Blick auf die Mitbewerber macht deutlich, dass es dazu eigentlich keine Alternative gab: Eine kasachische Holding, bei der niemand weiß, woher das Geld eigentlich kommt. Der Chinese Jonathan Pang, der bereits mit dem Flughafen Parchim überfordert ist. Eine kleine amerikanisch-chinesische Firma, die auf den ersten Blick nicht den Eindruck erweckt, als könne sie sich einen Flughafen leisten.

Warum hat der Verkauf so lange gedauert?

Allerdings frage ich mich schon, warum hat die Landesregierung so lange gezögert, sie hatte doch schließlich der ADC GmbH bereits im Sommer 2016 einige Grundstücke am Flughafen Hahn verkauft und wirkliche Alternativen im Bieterverfahren sind auch nicht bekannt. Während des langen Verkaufsverfahrens hätte der Flughafen fast Insolvenz anmelden müssen. Es musste sogar auf das Gesellschafterdarlehen von 34 Millionen Euro zurückgegriffen werden. Die Kosten für alle Beraterfirmen und Gutachter, die die Landesregierung vor und während des Verkaufsverfahrens beschäftigt hat, sind sehr wahrscheinlich am Ende höher als der Kaufpreis für den Flughafen Hahn.

Wird jetzt alles gut?

Ja, es kann gut gehen. Die HNA Gruppe hat zusammen mit der pfälzischen ADC GmbH einen Geschäftsplan vorgelegt, der anscheinend auch die EU-Kommission überzeugt hat. Ziel ist es, bis 2024 den Flughafen Hahn in die schwarzen Zahlen zu wirtschaften. Davon ist der Hahn mit gut 17 Millionen Euro Miesen im Jahr weit entfernt. Ein zugegebenermaßen sehr sportliches Ziel, hat mir jemand von der ADC bereits im Juni vergangenen Jahres gesagt. Vielleicht gibt die EU dem Käufer des Flughafens aber einen zeitlichen Aufschub, laut EU-Richtlinien wäre das möglich und fair wäre es wohl auch. Der Käufer des Flughafens kann schließlich nichts für die zeitliche Verzögerung im Verkaufsverfahren. Schon gar nicht die HNA/ADC Gruppe, denn sie standen schon vor einem Jahr parat und wollten den Hahn kaufen. Die Landesregierung entschied sich aber erst einmal für einen weniger seriösen Käufer.

Die HNA/ADC Gruppe will chinesische Touristen nach Deutschland bzw. nach Europa bringen, dabei soll der Hahn als eine Art Drehkreuz dienen. Aber auch im Frachtbereich sollen mit Hilfe der HNA für den Flughafen Hahn wieder bessere Zeiten kommen. Außerdem sollen chinesische Firmen und Geschäftsleute an den Hahn gelockt werden.

Veränderungen am Hahn?

Am Flughafen Hahn wird sich wohl vor allem für die Angestellten einiges ändern. Denn die Vorgabe der EU, möglichst schnell mit dem Flughafen aus den Miesen zu kommen, bedeutet sehr wahrscheinlich, dass Arbeitsplätze wegfallen werden. Der Flughafen Hahn hat derzeit über 300 Mitarbeiter. Kein Flughafen in vergleichbarer Größe in Deutschland hat so viele Mitarbeiter. Ein Punkt der bereits in den vielen von der Landesregierung in Auftrag gegebenen Gutachten bemängelt wurde. Die Landesregierung hat dies jedoch stets ignoriert. Ein privater Investor, der Geld verdienen will, kann das auf Dauer nicht. Allerdings hat die HNA angekündigt, dass sie in den ersten Monaten viel Geld in den Flughafen Hahn investieren will.

 

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