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Wie ein Kabarettist den Bundespräsidenten wählt

10.02.2017, von

Lars Reichow im SWR-Funkhaus Baden-Baden

Reichow und 30 weitere Frauen und Männer werden vom rheinland-pfälzischen Landtag in die Bundesversammlung geschickt. Das Landtag Baden-Württemberg entsendet 80 Wahlfrauen- und -Männer am Sonntag nach Berlin. Neben den Wahlfrauen und Männer aller 16 Landesparlamente sind auch die 630 Bundestagsabgeordneten Mitglieder der Bundesversammlung.

Von der Wahl des neuen Bundespräsidenten am Sonntag verspricht sich der Mainzer Kabarettist Lars Reichow nicht viel: „Es wird langweilig.“ Reichow ist einer von 1260 Wahlfrauen und -Männern, aber nur einer der wenigen  „Nicht-Politiker“, die den Nachfolger von Joachim Gauck wählen. Ich habe ihn gefragt, wie er die Wahl sieht. Aber wen wundert es, dass sachliche Journalistenfragen bei ihm kabarettistische Reflexe stimulieren.

Mancher Beobachter hält diesen Reflex auch für angebracht. Immerhin hatten sich schon im Vorfeld die Parteichefs von CDU, CSU und SPD im stillen Kämmerlein auf den ehemaligen Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) als gemeinsamen Kandidaten geeinigt. Eine Frau als Anwärterin auf das Amt des deutschen Staatsoberhaupts sucht man vergeblich. Und auch die anderen vier männlichen Kandidaten (Christoph Butterwegge, Albrecht Glaser, Alexander Hold und Engelbert Sonneborn) gelten als aussichtslos – angesichts der großen Mehrheit von CDU, CSU und SPD.

Und trotzdem ist Lars Reichow stolz, dabei zu sein…

Frage: Wie haben Sie von der Einladung zur Bundesversammlung erfahren?

Lars Reichow: Aus der Zeitung… nein, stimmt nicht. Als ich vom genauen Termin der Versammlung erfuhr, hab ich festgestellt, dass ich zufällig sowieso gerade in Berlin wäre. Dann habe ich eindeutige Signale in Richtung SPD gegeben, dass ich gerne dabei wäre. Und dieser Wunsch wurde mir erfüllt. Ich bin so dankbar, dass ich mir vorstellen könnte, in vier oder acht Jahren als Kanzlerkandidat anzutreten.

Frage: Wurden Sie im Vorfeld von der Bundestagsverwaltung vorbereitet?

Lars Reichow: Nein, niemand wollte mich beeinflussen, mir wurde auch nichts versprochen. Ich hoffe aber, dass in der vorher stattfinden Fraktionssitzung noch Bargeld oder wenigstens Freiflüge, Bahncards oder so was ausgegeben werden.
Übrigens kann ich Frank-Walter Steinmeier auch ohne Appell wählen, aus voller Überzeugung, denn ich glaube fest daran, dass er der richtige Mann für dieses Amt ist.

Frage: Wie bereiten Sie sich selber auf die Bundesversammlung vor? Sind Sie nervös oder ist das für Sie nur ein ungewöhnlicher Termin?

Lars Reichow: Es ist ein ungewöhnlicher Termin. Ich werde vorher noch versuchen, Schwimmen zu gehen, danach ein kleines Frühstück, das mich in meinem Wahlverhalten nicht zu stark beeinträchtigt. Aber ganz im Ernst: Die Wahl des Bundespräsidenten ist eine ehrenvolle Aufgabe, aber ich will versuchen, so locker wie möglich zu bleiben. Entscheidend wird sein, ob ich jemanden kenne oder kennenlernen kann. Sonst wird es langweilig.
Jetzt mal unter uns: Ich schau mir das natürlich auch an, um mich ab 2030 für das Amt zu bewerben, falls es mit der Kanzlerschaft (siehe oben) nicht klappt.

Frage: Mit welchen Erwartungen blicken Sie auf den Sonntag?

Lars Reichow: Ich erwarte einen Sieg im ersten Wahlgang! Und anschließend ein rauschendes Fest. – Dann will ich erstmal meine Frau anrufen, danach alle angeschlossenen Radio-und Fernsehanstalten, mit denen ich Verträge ausgehandelt habe.
Es gibt tatsächlich ein ernstes Anliegen, das ich verbreiten will: Die Wahl Steinmeiers ist ein wichtiges Signal. Wir wählen einen respektablen, einen intelligenten und diplomatisch erfahrenen, gestandenen Politiker mit breiter Zustimmung und Sympathie der deutschen Bevölkerung zum Bundespräsidenten. Unsere Demokratie lebt und wir lassen sie uns nicht kaputt lügen oder reden.
Ich bin stolz darauf, einen kleinen Beitrag leisten zu dürfen.

 

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