. .

Gemeinde entlässt Mitarbeiterin nach Reichsbürger-Streich

17.01.2017, von

Ausschnitt aus der Blogseite "Maras Welt" - die wahre Inhaberin zu identifizieren ist mangels korrektem Impressum nicht trivial.

Ausschnitt aus der Blogseite „Maras Welt“ – die wahre Inhaberin zu identifizieren ist mangels korrektem Impressum nicht trivial.

Eine Gemeindemitarbeiterin in Buchenbach bei Freiburg hat sich – offenbar versehentlich – in die Parallelwelt der sogenannten „Reichsbürger“ verirrt. Auf ideologisch verdrehte Fragen zu Personalausweis und Staatsangehörigkeit, die ein Bürger vorgebracht hatte, suchte sie angeblich Antworten im Internet – und merkte nach wohl nicht, dass sie dabei auf Webseiten der sogenannten „Reichsbürger“ landete und verbreitete deren Unfug als offizielle Antwort. Heute hat der Bürgermeister die Mitarbeiterin entlassen.

„Natürliche Personen haben einen Familiennamen – Sachen einen Namen“ und „Die Personalausweise sind Sklavenverträge nach Handelsrecht“ – solche schrägen Antworten schrieb eine Mitarbeiterin des Bürgermeisteramtes Buchenbach im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald am 28. Dezember vergangenen Jahres auf dem offiziellen Briefpapier ihrer Gemeinde an einen Bürger. Der hatte ihr zuvor persönlich und schriftlich einige merkwürdige Fragen wegen angeblich „falschen Eintragungen“ in seinem Personalausweis gestellt:

  • Warum steht in meinem Ausweis nur der Name und nicht der Familienname wie es das Personalausweisgesetz vorsieht?
  • Warum sind die Buchstaben auf meinem Ausweis alle in Großbuchstaben?
  • Warum ist die eingetragene Staatsangehörigkeit „Deutsch“ und nicht “Deutscher“?

Typische Fragen der sogenannten Reichsbürger. Im Internet lassen sie sich seitenweise dazu aus, betreiben hobbymäßige Rechtsauslegung und philosophieren über den Unterschied zwischen Mensch und Person, der sich angeblich durch Klein- oder Großbuchstaben ausdrücke. Eines der ältesten Dokumente heißt „Wichtiges zu Thema Staatsangehörigkeit“ und enthält Sätze, die sich nun auch unter dem Briefkopf der Gemeinde Buchenbach wiederfinden.

 

Betr.: Personalausweis

Rathausbrief Seite 1 laut Maras Welt

 

Denn die merkwürdigen Fragen trafen auf eine dort noch recht neue Mitarbeiterin. Diese fand im Internet auch prompt Antworten auf die merkwürdigen Fragen. Und zwar auf reichsideologischen Webseiten. Ihre Antworten fielen dementsprechend hanebüchen aus. Tiefpunkt ihrer Recherche:

 

„Die Personalausweise sind Sklavenverträge nach Handelsrecht. Man meldet sich selbst als eine juristische Person um, die nach Handelsrecht abgefertigt werden kann und eine maximale Einschränkung der Rechte hat. Deswegen heißt der Ausweis „Personalausweis“, man ist Personal (eine Sache) der Firma BRD (…)“

Das Schreiben reichte der Empfänger an eine Stuttgarterin weiter, die unter falschem Namen reichsideologische Inhalte auf ihrer Webseite „Maras Welt“ verbreitet. Am Sonntag stellte „Mara“ das Schreiben mit geschwärzten Personalangaben online. Es wurde mehrfach von gleichgesinnten Seiten geteilt.

 

Seite 2 des Antwortschreibens aus dem Buchenbacher Rathaus, wie es auf der Blogseite "Maras Welt" abgebildet wird.

Seite 2 des Antwortschreibens aus dem Buchenbacher Rathaus, wie es auf der Blogseite „Maras Welt“ abgebildet wird.

Zynische Begründung für Veröffentlichung

Ein „Andreas“ kommentierte, er sei der Empfänger des Schreibens, er habe sich mit „Mara“, darüber ausgetauscht, ob man die „Person auf der Gemeinde schützen wollte“, denn ihnen sei klar gewesen, dass es sich um ein Versehen seitens der Rathausmitarbeiterin gehandelt haben musste.  Zynisch und arrogant finde ich die Begründung, mit der „Andreas“ und „Mara“ die Veröffentlichung rechtfertigen. Personen wie die Rathausmitarbeiterinnen seien

„das öl und die zahnräder des getriebes der matrix, die menschen zu sachen gemacht hat. (…) deshalb habe ich diesen brief weiter gereicht. das muss doch endlich aufhören, das übel durch menschen, dass sie anderen so leichtfertig und für ein „gehalt“zumuten, das übermächtigen und gehorsam erzwingen, dass sich verstecken hinter posten und pöstchen! meine ich, andreas“

Am Montag habe ich den Bürgermeister von Buchenbach, Harald Reinhard, auf dieses Posting aufmerksam gemacht und gefragt, ob das Schreiben echt sei. Heute schrieb Reinhard dem SWR:

„Weitere vergleichbare Äußerungen der Mitarbeiterin zuvor oder danach sind der Gemeinde nach bisherigem Stand nicht bekannt und nach ihren eigenen Angaben nicht gemacht worden. Die Gemeinde hat sich von der Mitarbeiterin getrennt. Die Mitarbeiterin, die sich noch in der Probezeit befand, verfügte laut ihrer Zeugnisse über einschlägige Qualifikationen und langjährige Verwaltungserfahrung.“

„Mara“ hat auf eine SWR-Anfrage bisher nur mit einer Gegenfrage geantwortet: Was für Fragen ich denn hätte.

Schreibe einen Kommentar

*

Archiv

Kategorien

 

Der SWR ist Mitglied der ARD.

Impressum | SWR ©2018