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Dobrindt hält Test-Ergebnisse über Lang-LKW geheim

06.12.2016, von

Lang-LKW

Lang-LKW fahren seit fast 5 Jahren im Testversuch auf unseren Straßen. Foto: dpa

Seit Wochen blockiert Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU)  die Veröffentlichung der Auswertung des jahrelangen Dauertests mit den Riesen-LKW. Dabei liegen die wissenschaftlichen Ergebnisse der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) schon seit Angang November auf dem Tisch. Kritiker mutmaßen, dass sie den Einsatz der 25 Meter langen, bis zu 44 Tonnen schweren Giganten auf unseren Straßen kritischer bewerten, als es der Bundesverkehrsminister immer wieder öffentlich darstellt.

Die „Allianz pro Schiene“, ein Bündnis von 23 Non-Profit-Organisationen zur Förderung des Schienenverkehrs, zweifelt daran, dass der fünfjährige Testlauf seriöse Aussagen ermöglicht. „Der hemdsärmelige Umgang mit dem BASt-Bericht entlarvt den sogenannten Feldversuch als wissenschaftliches Feigenblatt“, sagt der Geschäftsführer der Allianz pro Schiene, Dirk Flege.

Weil bis heute lediglich 159 Lang-LKW am Versuch teilnehmen, könne der Testbericht keine seriöse Aussage zu Verlagerungsrisiken von der Schiene auf die Straße oder über die Gefahren für Autofahrer machen, so das Bündnis weiter. In der Vergangenheit war von den Gegnern der XXL-LKW immer wieder die Befürchtung geäußert worden, dass durch die Giganten der umweltfreundlichere Gütertransport per Bahn ins Hintertreffen geriete.

Mehr Unfälle?

Da bereits derzeit an jedem fünften tödlichen Unfall ein LKW beteiligt ist, fürchten die Bahnfreunde auch, dass es durch Lang-LKW zu noch mehr und möglicherweise noch schweren Unfällen kommen könnte.  Nach meinen Recherchen werden all diese Bedenken in der Testauswertung berücksichtigt. Es hat vielfältige Untersuchungen zu diesen Themenkreisen in den vergangenen Jahren bei der Bundesanstalt für Straßenwesen gegeben. Sie fließen in die abschließende Bewertung des Lang-LKW-Tests ein – bloß hält die Ergebnisse der Bundesverkehrsminister hartnäckig geheim.

Das macht er auch mit der Einordnung der vielen wissenschaftlichen Erkenntnisse durch die Fachleute der Bundesanstalt. Das befeuert immer stärker Spekulationen, dass die Riesenlaster möglicherweise doch deutlich umweltschädlicher seien, als es Dobrindt immer wieder behauptet.

Davon unbeeindruckt treibt der Bundesverkehrsminister sein Projekt Lang-LKW voran. Der fünf Jahre dauernde Testlauf endet am 31.Dezember. Wenn die Lang-LKW danach weiter über Deutschlands Autobahnen rollen sollen, muss er handeln. Was er vor hat: Er will eine entsprechende Verordnung erlassen. Der Widerstand in den Bundesländern bröckelt: Vor kurzem haben Rheinland-Pfalz und auch das Saarland zugestimmt, die Giganten auf ihren Straßen zu erlauben.

Verägert und irritiert

In der vergangen Woche hat Dobrindt den Ländern und den betroffenen Verbänden per Email seinen Verordnungsentwurf für den Regelbetrieb mit den XXL-LKW auf ausgewählten deutschen Straßen zugeschickt. Der soll ab 01.01.2017 gelten. Die Basis dafür sind die geheimen Erkenntnisse der wissenschaftlichen Begleitungstudie des Testlaufs. Dementsprechend irritiert, verwundert und auch verärgert dürften die Reaktionen auf die Mail des Ministers gewesen sein. Die Vorschläge,  den derzeitigen Testlauf noch zu verlängern, um dadurch eine ruhige und fundierte Diskussion über die Lang-LKW zu ermöglichen, werden ignoriert. Auch die Ergebnisse der 20.000 Euro-teuren Einzelstudie über die Auswirkungen der Lang-LKW, an der seit Monaten für Baden-Württemberg und Daimler das Prognos-Institut arbeitet, will Dobrindt offensichtlich nicht abwarten.

Ein Minister gibt Gas – dabei weiß er ganz genau, dass nach einer Aufsehen erregenden Forsa-Umfrage die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung die Lang-LKW fürchtet und ganz klar gegen mehr dieser Giganten auf deutschen Straßen ist.

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