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VS vs SO

29.10.2016, von

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Beobachten einander seit bald 20 Jahren: Scientology und Verfassungsschutz. Foto: Laufen

Geheimdienste machen ja ganz gerne mal darauf aufmerksam, dass ihre Arbeit (leider?) wenig mit dem notorischen James Bond zu tun habe und sie statt dessen hauptsächlich offen zugängliche Quellen auswerten, sprich: viel Zeitung lesen. Nun ist über Scientology – in der Sprache des Verfassungsschutzes: die Scientology Organisation, SO – in deutschen Zeitungen allerdings selten etwas Interessantes zu lesen. Die meisten Artikel sind ein munteres Aufrufen altbekannter Schreckgespenster, die den Hubbard-Jüngern reflexhaft zugeordnet werden, echte Recherche ist selten (Ausnahme und Tipp: Der Film Going Clear).

Wo also findet ein Geheimdienst noch spannende Neuigkeiten zum Thema „SO“? Na klar: In deren eigenen Schriften! Also beschafft sich das Landesamt für Verfassungsschutz Baden-Württemberg über nicht offen gelegte Kanäle die Mitgliederzeitschriften „Impact“ und Dianetik-Post. Was darin steht, gibt das Amt in seinem eigenen monatlichen Newsletter wieder. So lesen die Abonnenten des Informationsbriefs „VS Aktuell“, der als „nur für den Dienstgebrauch“ deklariert wird, dass in der „Impact“-Ausgabe Nr. 152 über einen deutschen Polizisten berichtet wird, der für seine Drogenaufklärungsarbeit in Schulen Material von Scientology „ausprobiert“ haben soll. Und eine Polizistin aus Baden-Württemberg soll – so las es der Verfassungsschutz in der „Dianetik-Post“ Nr. 226 – beim Informationsstand der „Scientology Gemeinde Baden-Württemberg“ in der Stuttgarter Innenstadt einen „ganzen Stapel der Heftchen“ über Drogenaufklärung mitgenommen haben.

Hauptthemen des Informationsbriefs „VS Aktuell“ sind natürlich stets der Islamismus, der  Rechts- und auch der Linksextremismus. Aber ebenso wird seit immerhin 19 Jahren die „SO“ in Baden-Württemberg vom Verfassungsschutz beobachtet…auch wenn es da nicht ganz so viel zu beobachten gibt. Die Meldung jedenfalls, dass Scientology-Publikationen behaupten, eine Polizistin und ein Polizist hätten möglicherweise nicht die gebotene „Finger-weg“-Distanz zu den Schriften der „extremistischen“ (VS) Scientology-Bewegung, hält Rüdiger Seidenspinner von der Gewerkschaft der Polizei auf unsere Nachfrage hin für „ein Gerücht, mit dem sich die Scientologen in den Vordergrund drängen wollen“. Tatsächlich relativiert der Verfassungsschutz in dem Artikel selber: Scientology sei bekannt für „falsche oder verzerrte“ Darstellungen, mit denen der „Eindruck von Erfolg und Expansion“ erweckt werden solle. Man fragt sich, warum dann überhaupt eine solche Nullmeldung abgedruckt wird? Da hätten die sogenannten „Reichsbürger“ doch wohl schon früher mehr Aufmerksamkeit verdient!

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