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Flughafen Hahn: Hunsrücker wollen keinen Gewerbepark

28.10.2016, von

Der Tower des Flughafens Frankfurt Hahn

Der Tower des Flughafens Frankfurt Hahn (Foto: dpa)

Eine Delegation von Geschäftsleuten hat heute Innenminister Roger Lewentz eine Liste mit Forderungen übergeben: Sie wollen damit die Umwandlung des Flughafens in einen Gewerbepark verhindern. Denn Insider gehen davon aus, dass unter den Bietern, die heute ihre Angebote für den Flughafen abgeben, mindestens einer diese Idee verfolgt. Das Land steht unter Druck: Der Flughafen steht kurz vor der Insolvenz. Weil die Landesbeihilfen voraussichtlich nur bis 2024 fließen dürfen, muss ein Käufer nicht nur einen guten Preis bieten, sondern auch einen Plan vorlegen, um den Flughafen bis dahin wieder ins Plus zu führen. Eine schwierige Aufgabe, der sich wahrscheinlich nur wenige ernsthafte Flughafenbetreiber stellen wollen. Aber die Aussicht auf ein Ende des Flugbetriebs hat schon für eine Demo und eine Resolution im Kreistag Rhein-Hunsrück-Kreis geführt.

Auch die Hunsrücker Geschäftsleute fordern vom Innenminister, dass der Hahn ein Flughafen bleiben soll. Aber sie fürchten, dass die Landesregierung bereits einen Favoriten hat: Die Immobilienentwicklungsgesellschaft TRIWO AG. Ministerpräsidentin Malu Dreyer habe sich schon sehr früh in der zweiten Verkaufsphase mit TRIWO-Chef Adrian zu Gesprächen getroffen, heißt es. Mit der TRIWO wäre die Regierung viele Sorgen los. Die TRIWO würde aus dem Flughafen einen Gewerbepark machen. Damit müsste die Landesregierung keine Investitions- und Betriebsbeihilfen mehr für den Flughafen zahlen. Sie wäre ihr Sorgenkind von jetzt auf gleich los.

Die TRIWO AG

Die TRIWO hat bereits den Flughafen Zweibrücken sowie die Flugplätze Pferdsfeld und Mendig gekauft und versucht sie mehr oder minder erfolgreich als Gewerbeparks zu vermarkten. Die Triwo sitzt in Trier und hat dort bereits sehr viele große Bauprojekte umgesetzt: Gewerbepark Trier Nord, das neue Polizeipräsidium und der Gewerbepark Trier Hafen, um nur einige zu nennen.

Interessant sind die engen Verbindungen zur Stadt Trier, Politik und Wirtschaft.  Triwo-Vorstand Peter Adrian ist auch Präsident der IHK Trier. Ebenfalls im IHK Gebäude arbeitet Klaus Jensen, der Ehemann von Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Klaus Jensen hat dort sein Büro als Honorarkonsul von Luxemburg. Zuvor war Jensen von 2007 bis 2015 Oberbürgermeister der Stadt Trier. In dieser Zeit gingen sehr viele große Bau- und Immobilienprojekte an die TRIWO AG. Und noch eine Verbindung zur Stadt Trier – genauer gesagt zu den Stadtwerken Trier – findet sich. Der Vorstand der Stadtwerke, Dr. Olaf Hornfeck, ist auch gleichzeitig Aufsichtsratschef der TRIWO AG.

TRIWO-Vorstand Adrian ist ein Fan der Fliegerei. Er besitzt mehrere Maschinen und fliegt selbst damit. Er war fast von Anfang an am Flughafen Hahn dabei, im Jahr 1999 übernahm er die Hahn Air aus der Insolvenz und führte sie als Hahn Air Lines weiter. Später war er auch noch Geschäftsführer der Entwicklungsgesellschaft am Hahn, die die Grundstücke am und um den Hahn vermarkten sollte. Zudem war er als IHK Präsident am Flughafen Hahn immer wieder beratend tätig.

Peter Adrian kennt den Flughafen Hahn mit seinen Grundstücken und Gebäuden bestens. Die Grundstücke am Hahn könnten tatsächlich mal interessant und zu Geld gemacht werden, spätestens wenn der Hochmoselübergang (2018) fertig ist. Denn dann gibt es eine hervorragende Verbindung nach Belgien und Luxemburg und zum Luxemburger Flughafen.

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