. .

Schluss mit Krimi?

25.10.2016, von

drogenkongress-im-hamburger-schanzenviertel-im-park-gegenueber-stehen-die-kleindealer

Drogenkongress im Hamburger Schanzenviertel. (Foto: Kai Laufen)

„Schluss mit Krimi“. Das klingt wie eine Gegenveranstaltung zur Frankfurter Buchmesse. Aber um Bücher ging es nicht bei dem zweitägigen Kongress mit dieser Überschrift – sondern um die Entkriminalisierung von Drogen. Welche Wege sind möglich, welche versprechen Erfolg, um die derzeitige Drogenpolitik zu ändern? In wenigen Wochen wird in Kalifornien wahrscheinlich das Cannabisverbot fallen – nach Oregon und Washington wäre dies ein weiterer und diesmal großer US-Bundesstaat, in dem sich die Stimmung in der Bevölkerung innerhalb weniger Jahre vom „no“ zum „yes“ gedreht hat. Umfragen zufolge liegen die Befürworter an der Westküste bei rund 60 Prozent. Eine Ermutigung für die Kongressteilnehmer.

Sozialarbeiter, Drogenberater, Aktivisten vom Deutschen Hanfverband, der ehemalige Polizeipräsident von Münster, Hubert Wimber, der Soziologe Heino Stöver und – besonders wichtig: Stadträte und Verwaltungsmitarbeiter aus Karlsruhe, Heidelberg, Tübingen, Düsseldorf, Frankfurt, Berlin und anderen Städten, in denen sich Widerstand gegen die Politik der Bundesregierung regt. In einem waren sich alle Angereisten mit den Veranstaltern von der Hamburger AG Dropo einig: Die Politik des Verbietens und Bestrafens ist auf ganzer Linie gescheitert. Warum? Dazu Hubert Wimber:

 

Diese Einigkeit fußte allerdings auch darauf, dass kein Vertreter des Status Quo eingeladen war – ein Auftritt der Bundesdrogenbeauftragten Marlene Mortler, die am liebsten eine drogenfreie Gesellschaft hätte, wäre bei der Stimmungslage wohl auch eher in Tumulten geendet, selbst wenn in den Pausen durchaus besänftigende Mittel die Runde machten – natürlich nur unter den Kongressteilnehmern, die Cannabis als Medizin ganz legal konsumieren dürfen…

Schleichender Wandel für Legalisierung

Nein, es ging bei diesem Kongress nicht darum, jemanden zu bekehren – man war unter sich: Niemand ließe sich durch das Betäubungsmittelgesetz (BtmG) vom Kiffen abhalten, so die Grundüberzeugung. Und die staatliche Verfolgung sei in jeder Hinsicht kontraproduktiv. Die Tatsache, dass Besitz und Weitergabe von Cannabis überhaupt verboten sind, erscheint tatsächlich immer mehr Menschen unverständlich, auch wenn die Umfragewerte in Deutschland noch nicht die 50-%-Marke für die Legalisierung reißen. Aber sogar die „Springerpresse“ habe offenbar ihre Ausrichtung geändert, hieß es mehrmals verwundert oder auch euphorisch vom Podium: Hatte doch die „Welt“ vor ein paar Tagen einen Pro-Legalisierungsbeitrag von Cem Özdemir  auf der Titelseite. Skeptiker verbuchen das aber eher unter der Rubrik „aus der Opposition lässt sich leicht dafür/dagegen sein“.

Auf dem Kongress trafen sich, wie gesagt, Stadträte und Verwaltungsmitarbeiter, um sich über mögliche Modellprojekte zur legalen, lokalen Cannabisabgabe auszutauschen. Einen ersten, heiß diskutierten Versuch hatte das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg gewagt – und war gescheitert. Was das für andere Kommunen nun bedeutet und welche Argumente Gegner wie Befürworter der Entkriminalisierung von Cannabis vorbringen, habe ich für SWR2 Wissen zusammengetragen. Morgen früh von 8 Uhr 30 an ist Sendetermin, online ist es jetzt schon zu hören.

Schreibe einen Kommentar

*
 

Der SWR ist Mitglied der ARD.

Impressum | SWR ©2017