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Hahn: Schwierige Vertragsverlängerung für Kaufinteressenten

06.09.2016, von

Der Flughafen Hahn hat anscheinend während der Verkaufsverhandlungen eine Vertragsverlängerung mit Ryanair ausgehandelt. Nach meinen Informationen bekommt die Fluggesellschaft Ryanair darin weiterhin sehr günstige Preise für die Passagierabfertigung eingeräumt. Demnach würde der Flughafen Hahn pro Passagier draufzahlen – allein, um die Kosten abzudecken. Dieser Vertrag könnte den neuen Betreiber mehrere Millionen Euro pro Jahr kosten. Der Käufer des Flughafens Hahn wäre an diesen Vertrag für die kommenden 5 Jahre gebunden.

Überraschung mitten im Verkaufsprozess

Potentielle Kaufinteressenten erfuhren von dem geplanten Ryanair Vertrag ein paar Tage vor dem 1. September. Das ist just der Tag, an dem die Investoren ihre Bewerbungen mit detaillierten Unterlagen abgeben sollten. Branchenkenner sagten mir, dass ein erfolgreiches Geschäftsmodell mit solchen Vertragsbedingungen fast unmöglich wäre. Der Flughafen Hahn ist jetzt schon mit bis zu 18 Millionen Euro Minus pro Jahr ein Zuschussgeschäft.

Warum wird mitten im Verkaufsprozess ein Vertrag mit Ryanair verlängert?
Für den Käufer des Flughafens Hahn wäre der 5 Jahres Fortsetzungsvertrag mit Ryanair bindend – zumindest für Käufer, die weiter einen Flughafen betreiben wollen. Sollte jedoch ein Käufer den Flugverkehr einstellen oder einen eingeschränkten Flugverkehr (Sonderlandeplatz) anstreben, wäre der neue Ryanair-Vertrag hinfällig.

Beispiel Flughafen Zweibrücken
Der neue Besitzer des Flughafens Zweibrücken die TRIWO AG hat gleich nach dem Kauf Ende 2014 die Abstufung zum Sonderlandeplatz beantragt. Die TRIWO AG soll auch am Kauf des Flughafens Hahn interessiert sein und ein Angebot abgegeben haben. Allerdings ist die TRIWO AG wohl nicht am Weiterbetrieb des Flughafens interessiert. Vorstellbar wäre ein Gewerbepark Hahn mit eingeschränktem Flugbetrieb. In diesem Fall dürfte der Vertrag den Bieter nicht behindern. Interessenten, die den Flughafen Hahn mit Flugbetrieb weiter betreiben wollen, könnte dieser Vertrag aber abschrecken.

Die TRIWO AG hatte den Flughafen Zweibrücken vor zwei Jahren aus der Insolvenz heraus gekauft. Sie erwarb den Flughafen für 4 Millionen Euro. Die TRIWO AG hatte damals nicht das höchste Angebot abgegeben, aber – so hieß es auch von Seiten der EU – das einzig rechtlich verwertbare. Neben der TRIWO AG waren damals am Flughafen Zweibrücken auch Investoren aus der Luftfahrtbranche interessiert.

Weitere Millionen vom Land?
Das Geld am Flughafen Hahn reicht noch maximal bis Ende September, darauf hat Hahn-Geschäftsführer Markus Bunk immer wieder hingewiesen. Danach drohe die Insolvenz. Es sei denn die Landesregierung kann auf das Gesellschafterdarlehen von 34 Millionen Euro zurückgreifen. Dafür müssen die Wirtschaftsprüfer der Dornbach GmbH eine positive Geschäftsprognose für den Flughafen Hahn feststellen. Die Wirtschaftsprüfer von Dornbach arbeiten sich bereits durch die Bilanzen, Zahlen und Verträge der Flughafengesellschaft (FFHG). Dabei könnte natürlich auch ein solcher Ryanair-Vertrag mit sehr viel Wohlwollen als positive Geschäftsprognose gewertet werden. Und das, obwohl der Vertrag nur den Eigentümer des Flughafens Hahn zu den günstigen Preisen für Ryanair Passagiere verpflichtet, die Ryanair aber umgekehrt zu gar nichts verpflichtet.

Im Gegenteil: Ryanair reduziert seit Jahren schon ihr Angebot am Hahn und will künftig beispielsweise vom benachbarten Flughafen Luxemburg mehr Flüge anbieten. In Luxemburg soll es Ende Oktober losgehen. Man hört, dies könnte bald auch weitere Flüge betreffen.

Offiziell gibt es noch keine Bestätigung für den Ryanair-Vertrag, seitens der Flughafengesellschaft hieß es, es werde verhandelt. Details werden aber nicht genannt. Die Fluggesellschaft Ryanair teilte mit, dass sie sich an Gerüchten und Spekulationen nicht beteiligen werde. Sie dementierte die Vertragsverhandlungen aber auch nicht.

Unterdessen reagiert der Flughafen Hahn inzwischen dünnhäutig auf Kritik, wie mein Kollege Holger Schmidt beschrieben hat.

Update: Einen Tag nach Erscheinen dieses Blog-Artikels gab der Vorsitzende des Aufsichtsrats der Flughafengesellschaft (FFHG) Salvatore Barbaro bekannt, dass Geld am  Flughafen Hahn reiche noch voraussichtlich bis Ende Oktober.

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