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Maulkorb für Mitarbeiter am Flughafen Hahn

05.09.2016, von

Flughafen Hahn (Archiv)

Flughafen Hahn (Archiv)

Die Nerven der Geschäftsleitung des „Flughafen Hahn“ liegen offenbar blank. Erst kamen öffentlich Zweifel am angeblich so vielversprechenden neuen Käufer des Flughafens auf, noch bevor man selbst so richtig wusste, mit wem man da verhandelt. Dann platzte der Verkauf an einen dubiosen chinesischen Investor tatsächlich und brachte die frisch konstituierte Landesregierung in die erste Krise. Nun laufen erneute Verkaufsverhandlungen und wieder sind es Journalisten, die unangenehm auffallen, weil sie schon im Bewerbungsverfahren drängende Fragen stellen. Zum Beispiel meine Kollegin Kirsten Tromnau, die recherchierte, dass sich die TRIWO für den Flughafen Hahn interessiert und es deshalb eine Option sein könnte, dass dort bald nicht mehr der Flughafen im Vordergrund steht, sondern ein Gewerbepark.

Für uns Journalisten ist das der Job: Recherchieren und kontrollieren, was die Regierung tut und wie sie mit dem Landesvermögen umgeht. Aufgabe der Betroffenen, hier konkret des Flughafens Hahn sollte es sein, sich dieser kritischen Begleitung zu stellen. Das ist Teil der Aufgabe. Werden dabei Fehler offenbar, kann man als Journalist von den Betroffenen keine Dankbarkeit erwarten. Allerdings sollte es im Umfeld von landeseigenen Betrieben auch keine Behinderung und keine Drohungen geben. Sollte.

Gleich zwei meiner Kollegen sind bei ihren Recherchen zum Hahn über eine Email gestolpert, die einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Flughafens erstaunt, ja die sie teilweise sogar skandalös finden. Die Pressesprecherin des Flughafens, Hanna Koch, beklagt darin Recherchen des SWR und den Tenor der Berichterstattung. Der sei „man kann es sich denken – negativ“ schreibt sie unter anderem.

Schon über diesen Satz lohnt sich das Nachdenken: Was ist daran negativ, wenn sich durch journalistische Recherchen vermeiden lässt, dass mehrere hundert Jobs am Flughafen vor einer bedrohlichen Achterbahnfahrt mit einem dubiosen Investor in Richtung Abgrund bewahrt werden?

Eindrücklich mahnt die Pressesprecherin ihre Kolleginnen und Kollegen, nur ja nicht mit uns Journalisten zu reden. Und droht kaum verholen, man fühle sich vielleicht [dadurch] kurzfristig besser, „sägt damit aber nicht nur am eigenen Stuhl, sondern gefährdet jeden einzelnen Arbeitsplatz in dieser für den Flughafen sehr angespannten Situation„. Souveränität klingt anders. Wäre man böse, könnte man sich fragen, ob so ein Maulkorb schon ein Vorgriff auf einen möglichen türkischen Investor (der tatsächlich im Gespräch ist) sein könnte. Nach deutschem Verständnis von transparenter Medienarbeit klingt es nicht.

Vor allem ist es aber gegenüber den eigenen Kollegen ungerecht: Die Probleme des Hahn rühren nicht von Fehlern des Gros der Mitarbeiter her, sondern von Fehlern der Geschäftsführung und der Landesregierung. Diese Fehler kommen ans Licht, das verhindert man nicht, indem man die Mitarbeiter mundtot macht. Es schadet auch dem Flughafen nicht, wenn Fehler vermieden werden. Ob es der Geschäftsführung schadet, wenn sie bei ihrer Pressestelle einen solchen Brief bestellt, wäre hingegen eine Frage an die Landesregierung.

Pressesprecherin Hanna Koch gibt sich aber derzeit im eigenen Haus fest entschlossen: Wer von Journalisten angesprochen wird, soll sich bitte den Namen merken, sie werde sich dann „bei dessen Vorgesetzten beschweren“.

Um allen den Weg künftig einfacher zu machen, dazu folgende Hinweise:

Für Mitarbeiter: Bei uns in der Redaktion recherchiert vor allem Kirsten Tromnau zum Hahn. Sie hat – zusammen mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen Redaktionen des SWR – stets ein offenes Ohr für neue Entwicklungen, Sorgen und Ängste. Sie ist unter Kirsten Tromnau zu erreichen. Oder verschlüsselt über die wirklich empfehlenswerte App „Threema“ unter MJ5RYR8X.

Für die Pressestelle: Ich bin der unmittelbare Dienstvorgesetzte von Kirsten Tromnau. Wenn das nicht reicht: Mein Vorgesetzter ist Chefredakteur Arthur Landwehr.

 

Übrigens: Natürlich habe ich die Pressesprecherin Hanna Koch nach ihrer Email gefragt. Sie sagte mir, sie gebe zu internen Schreiben keine Auskunft, „da diese nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind“.  Allerdings relativiert sie selbst ihren eigenen Satz von der ‚man kann es sich denken – negativen‘ Berichterstattung: Sie schreibt mir heute: „Nein, dies trifft nicht zu. Es gibt sehr schöne Berichte über den Hahn, auch vom SWR.“ Welche das sind, lässt sie offen.

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Kommentare zu „Maulkorb für Mitarbeiter am Flughafen Hahn“

Es sind 3 Kommentare vorhanden. Ich möchte einen Kommentar verfassen.

  1. Hanna Koch
    schreibt am 5. September 2016 15:52 :

    Der Vollständigkeit halber möchte ich hier meine Email dokumentieren, die ich an den Kollegen Herrn Schmidt vom SWR gesendet habe. Aus meiner Antwort an ihn wurde nämlich genau EIN Satz zitiert. So kann sich jedermann sein eigenes Bild machen, warum wir unsere Mitarbeiter bitten, bei Presseanfragen auch die dafür zuständige Pressestelle einzuschalten.

    Fragen:
    1. Trifft es zu, dass Sie bei Ihrer Arbeit in der Pressestelle davon ausgehen, dass die Berichterstattung über den Flughafen Hahn tendenziell negativ ist?
    2. Trifft es zu, dass Sie davon ausgehen, dass insbesondere der SWR ausschließlich „negativ“ über den Hahn berichtet?

    Antwort:
    1+2: Nein, dies trifft nicht zu. Es gibt sehr schöne Berichte über den Hahn, auch vom SWR.

    3. Trifft es zu, dass es deswegen einen „Maulkorb“ für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gibt, nicht ohne Erlaubnis über die aktuellen Entwicklungen zu sprechen?
    4. Trifft es zu, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Flughafen Hahn aufgefordert wurden, Kontaktversuche jenseits der Pressestelle namentlich zu melden und dass angestrebt wird, im Falle solcher Kontaktversuche in den Redaktionen zu intervenieren?

    Antwort:
    Zu 3 & 4: Es gibt keinen „Maulkorb“ für Mitarbeiter, jedoch ist es – wie Sie sicher wissen – üblich, dass bei Unternehmen ausschließlich die Pressestellen nach außen sprachfähig sind. Die Pressestelle ist zuständig für Medienanfragen, nicht der Mitarbeiter selbst. Dies dürften Sie aus Ihrem Berufsalltag kennen. Gerne vermittelt Ihnen die Pressestelle kompetente Ansprechpartner, wenn es um unseren Flughafen geht. Sprechen Sie mich bei Bedarf gerne dazu an. Dies ist seit Jahren unser Service, wie wir auch seit Jahren transparent jede Frage der Medien gerne beantworten. Dies können Ihnen die Kollegen vom SWR Fernsehen und vom Radio, die für uns in der Region zuständig sind, sicher bestätigen.

    Leider haben wir in der Vergangenheit die Erfahrung gemacht, dass Mitarbeiter direkt – sogar privat zu Hause – von Medienvertretern angesprochen wurden. Dies ist aus unserer Sicht nicht zulässig und verunsichert die betroffenen Mitarbeiter nachhaltig. So einem Fall würde ich jederzeit wieder nachgehen und mich natürlich – wie in der Vergangenheit auch – bei dem betreffenden Medium beschweren.
    Resultierend aus diesen Erfahrungen hat es in der Vergangenheit regelmäßig Informationen aus der Pressestelle darüber gegeben, wie in unserem Hause mit Presseanfragen – sei es vom SWR oder anderen Medien – umgegangen wird, um Unsicherheiten abzubauen und interne Vorgehensweisen transparent zu machen.

    • Holger Schmidt
      schreibt am 5. September 2016 16:00 :

      Sehr geehrte Frau Koch,
      sollten Sie dann nicht auch noch der Vollständigkeit halber Ihre Email an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Flughafens Hahn vom 23.08.2016 um 09:40 Uhr hinzufügen?
      Freundliche Grüße,
      Holger Schmidt

  2. Jens
    schreibt am 11. Dezember 2016 2:21 :

    SWR ist wie die BILD-ZEITUNG. Für eine gute Story ist jedes Mittel recht.

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