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Hahn: Statt Flughafen bald ein Gewerbepark?

02.09.2016, von

Flughafen Hahn (Archiv)

Flughafen Hahn (Archiv)

Könnte den Flughafen Hahn das gleiche Schicksal ereilen, wir den Flughafen Zweibrücken – also ein Ende als Gewerbepark? Nach meinen Recherchen gibt es im neuen Anlauf einige ernsthafte Interessenten, die ein Kaufangebot für den Hahn abgeben wollen. Alle wollen den Hahn als Flughafen weiter betreiben, sollte man meinen. Alle? Nein, nicht alle!

Das Unternehmen TRIWO AG mit Sitz in Trier will auch mitbieten. Das sagten mir gut informierte Kreise. Die TRIWO AG ist unter anderem darauf spezialisiert, Konversionsgebiete aufzukaufen und in Gewerbeparks umzuwandeln. Sie hat bereits den ehemaligen Flugplatz in Mendig oder auch den Flughafen Zweibrücken übernommen. Die TRIWO AG ist allerdings kein Flughafenbetreiber. TRIWO-Vorstand Peter Adrian blieb eine Auskunft nach einer Beteiligung am Flughafen-Hahn-Bieterverfahren auf mehrfache Nachfrage schuldig.

 

Das Engagement wäre durchaus plausibel: Peter Adrian ist nicht nur Vorstand der TRIWO AG, er ist zudem Präsident der IHK Trier. Lange Zeit hatte er schon mit dem Flughafen Hahn zu tun: Er war an der Entwicklungsgesellschaft Hahn (EGH) beteiligt und danach als IHK-Präsident immer wieder beratend für den Hahn tätig.

Gewerbepark Hahn?

Es soll bereits eine informelle Anfrage bei der Deutschen Flugsicherung geben, wie der Flughafen Hahn zum Sonderlandeplatz herabgestuft werden kann, habe ich bei meinen Recherchen erfahren. Der Flughafen Hahn würde dann nicht mehr für einen regelmäßigen Flugverkehr wie Passagier- und Frachtflüge zur Verfügung stehen. Er gibt seine Betriebspflicht ab. Je nach Bedarf dürften aber noch Flugzeuge auf dem Hahn landen, beispielsweise um gewartet zu werden. Der Flughafen Hahn hat derzeit eine 24-Stunden-Fluggenehmigung. Ähnlich versucht die Landesregierung seit anderthalb Jahren, den Flughafen Zweibrücken zu einem Sonderlandeplatz herabzustufen – eine Angelegenheit, die das zuständige Ministerium anscheinend für eine sehr komplexe und mehrjährige Aufgabe hält. Der Flughafen Zweibrücken wurde von der TRIWO AG gekauft. Diese beantragte Ende 2014 eine Abstufung zum Sonderlandeplatz.

Erst Zweibrücken, jetzt Hahn?

In der ersten Phase Anfang August hatten bis zu 18 mögliche Investoren ihr Interesse bekundet. Sie haben Zugang zu dem sogenannten virtuellen Datenraum und können sich auf diese Weise einen ersten Überblick über den zum Kauf angebotenen Flughafen Hahn verschaffen. Insider gehen davon aus, dass höchstens die Hälfte eine Bewerbung abgeben wird. Nach meinen Recherchen wollen einige Interessenten abwarten, wie der Verkaufsprozess verläuft. Trotz eines möglichen Gesellschafterdarlehens seitens der Landesregierung von 34 Millionen Euro schließen Experten auch eine Insolvenz des Flughafens nicht aus. Der ein oder andere Interessent deutete mir an, dass er erst im Falle einer Insolvenz zuschlagen würde.

Übrigens: Mit einer Flughafeninsolvenz hat die Landesregierung mittlerweile Erfahrung. Der Flughafen Zweibrücken musste 2014 Insolvenz anmelden. Damals gab es Kaufinteressenten, die den Flughafen Zweibrücken weiter als Flughafen betreiben wollten. Verkauft wurde der Flughafen dann aber an die TRIWO AG.

Wer ist noch im Rennen?

  1. Die ADC mit Sitz in Deidesheim, die bereits im ersten Bieterverfahren dabei war. Geschäftsführer der ADC und Chinaexperte Siegfried Englert begleitete den Prozess und tütete noch den Kauf des Housing- und Campusgeländes (ein Gelände vor dem Flughafen Hahn) für die ADC ein. Englert hat sich jetzt allerdings aus „gesundheitlichen Gründen“ – so heißt es offiziell – zurückgezogen. Nach eigenen Angaben will die ADC aber unbedingt für den Flughafen Hahn bieten. Sie habe den großen chinesischen Tourismus- und Logistikkonzern HNA mit im Boot.
  2. Und noch ein Chinese: Herr Pang, sehr bekannt in Parchim (Mecklenburg-Vorpommern), hat ebenfalls Interesse am Flughafen Hahn. Er will zusammen mit einem deutsch-chinesischen Konsortium bieten. Jonathan Pang hat den Flughafen Parchim in Mecklenburg-Vorpommern vor Jahren gekauft, wartet jedes Jahr mit neuen großen Ideen und Visionen auf, doch passiert ist in Parchim bisher nichts.
  3. Ein niederländischer Investor, der bereits für Aufsehen sorgte. Er will in Bad Sobernheim eine Krebsklinik bauen. Bislang steht die Klinik aber noch nicht.
  4. Das chinesische Amazon „Alibaba“ wurde schon mehrfach als Interessent ins Spiel gebracht. Angeblich wollen sie zusammen mit russischen Investoren ein Angebot abgeben.
  5. Auch eine türkische Flughafenbetreibergesellschaft, die TAV, ist interessiert. Sie betreibt in mehreren Ländern (Türkei, Tunesien, Mazedonien usw.) größere und kleinere Flughäfen. Die türkische Firmengruppe TAV war damals auch am Flughafen Zweibrücken interessiert.
  6. Ein ominöser amerikanisch-chinesischer Konzern, der immer wieder genannt wird und auch schon beim ersten Bieterverfahren dabei war. Nach wie vor ist aber nicht klar, wer genau dahintersteckt.

Nach Angaben des Innenministeriums gibt es 13 Kaufinteressenten.

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Kommentare zu „Hahn: Statt Flughafen bald ein Gewerbepark?“

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  1. Heiko Frischmann
    schreibt am 6. September 2016 9:24 :

    Es gibt wahrscheinlich keinen einzigen Bieter der den Flughafen im eigentlichen Sinne weiterbetrieben möchte. Alle spekulieren nur auf Subventionen, Beihilfen und ähnliches und verschwinden dann wohl mit diesem Geld. Im umgangsprachlichen Sinn ist das ja auch kein Verkauf wenn mehr Subventionen gezahlt werden als Kaufpreis erzielt wird.

    Schwer zu glauben dass der Hahn mit 8-stelligem Defizit im Jahr plötzlich profitabel werden soll, Fraport hat das damals auch nicht geschaft und seine Anteile für 1€ verschenkt. Aber jetzt kommen natürlich die Fachleute die so richtig Ahnung haben… Politik ist eben naiv.

    So in 2 Jahren, wenn der Hahn dann dicht ist und das Geld weg ist, dann werden sich auch die Journalisten fragen ob das gut gehen konnte. Aber um das offensichtliche zu erkennen braucht es bekanntlich oft Geduld.

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