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Die gefährlichsten Motorradstrecken im Südwesten

10.05.2016, von

 

Nürburgring: Schwerer Motorradunfall (Archiv)

Nürburgring: Schwerer Motorradunfall (Archiv)

Der Frühling ist endlich da. Die Sonne scheint. Es ist ein richtig schönes Wochenende – und schon hat sich manche Ecke im Schwarzwald, im Murgtal, in der Eifel, dem Pfälzerwald oder Westerwald in ein Motorrad-Eldorado verwandelt. Wer dort selbst unterwegs ist, kann sich ja mal den Spaß machen und zählen, wie viele Biker ihn unterwegs überholen oder in einer Kurve gefährlich nah am Mittelstreifen entgegenkommen… Mein Thema in den vergangenen Wochen waren Motorradunfälle im Südwesten und die Frage, wo die meisten Unfälle passieren – und warum.

Auch die Wanderer im Schwarzwald oder im Gelbachtal kennen den Sound lauter Maschinen, die noch über hunderte von Metern bestens zu hören sind. So mancher Einheimische zählt an den Wochenenden, wie oft er das Martinshorn eines Krankenwagens hört – und denkt sich seinen Teil. Denn die meisten Motorradunfälle passieren an den Wochenenden, bei sonnigem Frühlingswetter und auf den landschaftlich schönsten Strecken.

Wir haben uns die Zahlen von den Ministerien, der Polizei und den statistischen Landesämtern besorgt und uns die Strecken genauer angeschaut.

Das Ergebnis:

Rheinland-Pfalz:

  1. Rund um den Nürburgring (Zufahrtstraßen im 20-km-Umkreis)
  2. B48 im Pfälzerwald zwischen Rinntal und Hochspeyer (die Strecke führt über den bekannten Bikertreffpunkt Johanniskreuz)
  3. B37 zwischen Hochspeyer und Bad Dürkheim
  4. L313+L325 Verbindungsstraßen zwischen Montabaur und Obernhof

Baden-Württemberg:

  1. B500 zwischen Geroldsau und Mummelsee
  2. L83 zwischen Sand und Raumünzach (Schwarzenbachtalsperre)
  3. B317 Feldberg
  4. B32 zwischen Gamertingen und Burladingen

In Baden-Württemberg kamen 2015 insgesamt 104 Motorradfahrer (2014: 101) ums Leben, in Rheinland-Pfalz starben 44 Motorradfahrer (2014: 44) bei Unfällen.

Noch etwas fiel uns bei den Recherchen auf – genauer gesagt war es eine spezielle Kurve im Schwarzwald. Auf der L83 unterhalb der Schwarzenbachtalsperre gibt es die gefährlichste Kurve im Land. Dort passieren schon seit Jahren die meisten und leider auch die schlimmsten Motorradunfälle. Die Polizei sagt, wir wissen nicht mehr weiter. Wir haben alles versucht: Geschwindigkeitsbegrenzungen, spezielle Leitpfosten, große Warnschilder und regelmäßige Kontrollen. Die Motorradfahrer sagen, an der Kurve ist eigentlich nichts besonderes, sie ist nicht schwierig zu fahren, aber sie lädt dazu ein, sie schneller und sehr sportlich zu fahren.

Warnschild auf der Unfallstrecke L83 im Schwarzwald

Warnschild auf der Unfallstrecke L83 im Schwarzwald (Foto: SWR)

Die Geschwindigkeit in den Kurven ist das große Problem.

Die Unfallzahlen sprechen für sich:

Fast alle Motorradunfälle auf den Bundes- und Landesstraßen (außerorts) sind alleinverschuldet, es ist meist kein anderes Fahrzeug in den Unfall verwickelt und fast immer, waren die Motorradfahrer in einer Kurve zu schnell unterwegs. Die Unfallfahrer sind sehr oft junge Motorradfahrer und Wiedereinsteiger (die Ü45iger). Gerade rund um den Nürburgring fahren die meisten Motorradfahrer wie auf der Rennstrecke.

 

Dabei gibt es viele Motorradfahrer, die vernünftig fahren, sogar eher gemütlich. Sie wollen die Landschaft genießen. Ihre Motorräder sind angenehm leise. Sie gehen kein unnötiges Risiko ein, achten auf andere Verkehrsteilnehmer und ihre eigene Sicherheit. Leider fallen die Risikofahrer nicht in der Unfallstatistik mehr auf und sie bleiben auch den Auto- und Radfahrern, Fußgängern und Wanderern in unangenehmer Erinnerung.

Nürburgring: Schwerer Motorradunfall - an einer älteren Unfallstelle (Foto: Polizei Adenau)

Nürburgring: Schwerer Motorradunfall – an einer älteren Unfallstelle (Foto: Polizei Adenau)

 

Kommentare zu „Die gefährlichsten Motorradstrecken im Südwesten“

Es sind 3 Kommentare vorhanden. Ich möchte einen Kommentar verfassen.

  1. w.wobido
    schreibt am 15. Mai 2016 9:32 :

    Schon mal mit gelb unterlegter reflektierender Folie (leider bei uns, im Gegensatz zum Ausland, Genehmigungspflichtig) an besonderen Gefahrstellen versucht ?

    Wir wissen nicht weiter,wie bei den weiter steigenden Wohnungseinbrüchen ??

    Als Mitarbeiter/Moderator der Verkehrswacht Bonn und Rhein-Sieg ehemaliger Polizeibeamter
    ausgebildeter Fahrlehrer und Kraftverkehrsmeister, Inhaber aller Führerscheine inkl.der Klasse Eins.
    Fahre aber aus persönlichen Gründen und reiner Vorsichtsmassnahme nicht mehr Motorrad (und auch kein Fahrrad auf der Strasse nur noch Radweg), glaube ich, das man diese Unbelehrbaren unverzüglich aus dem Verkehr ziehen sollte und somit vor sich selbst schützen-ähnlich geschieht es übrigens mit Suizid-Gefährdeten !

    mfg aus der alten Bonndeshauptstadt
    ww

  2. Sen Bukow
    schreibt am 27. Mai 2016 18:07 :

    Hallo beisammen… es ist doch einigermaßen schleierhaft dass die Polizei behauptet, sie wisse nicht weiter und unternehme schon alles Mögliche… . Es hat gerade gestern (26.05.2016) wieder einen tödlichen Motorradunfall eines erfahrenen Fahrers aus dem Sauerland an der Schwarzenbachtalsperre gegeben. Grund hierfür war ein Ausrutscher in einer Kurve mit dem in der folgende dann tödlichen Einschlag in, oder besser unter einer Leitplanke..man darf raten…natürlich OHNE UNTERFAHRSCHUTZ…!
    Ein absolut altes und leidiges Thema- es klingt ja ganz toll wenn man behauptet man habebessere Leitpfosten angebracht oder wuerde regelmaessig Geschwindigkeitskontrollen durchführen. Was ein Hohn… für den Fall eines Sturtzes gibt es in dem Bereich der Schwarzwaldhochstrasse- insbesondere bei den gefährlichen Kurven an der Schwarzenbachtalsperre keinerlei solcher Vorkehrungen. Ich halte das für absolut fahrlässig zumal es ganz klare Unfallschwerpunkte und Kurven gibt in denen regelmäßig Biker einschlagen oder gar am Seeufer geborgen werden müssen. Wir sprechen hier also nicht von umfangreichen teuren Maßnahmen die nicht bezahlbar wären, sondern Unfallstellen die auch jeder Bürokrat erkannt haben muss. Wie wäre es denn mal mit Entschärfungsmaßnahmen für den Fall eines Unfalles??? Kein Schild oder keine Kontrolle wird hier nachhaltig etwas ändern. Genug Geld fuer eInen effektiven Leitplankenunterfahrschutz sllte doch allein durch bei Geschwindgkeitskontrollen kassdiertes Geld da sein oder? … Achso Verzeihung… Das Gld landet ja wie üblich ganz anderswo… Veruntreuung von Geldern nennt mans in der freien Wirtschaft…. Sorry fuer den Kommentar…. aber gerade nach einem Unfall wie gestern (war leider auch dort) ist es mal wieder absolut vermessen zu behaupten man tue alles und wisse nicht weiter…. . Ein, ich bin kein raser, aber ich fahre oft dort vorbei und bislang auch gerne… . In diesen Bereichen immer vorsichtig- wie sicher viele Unfallopfer in der Vergangenheit auch! Gruss an alle Hornetfahrer, Sven Bukow aus Bretten bukow@online.de

  3. Marzellus Boos
    schreibt am 16. Juni 2016 10:49 :

    Extreme Raser und andere Verkehrssünder sollen künftig deutlich kräftiger als bisher zur Kasse gebeten werden. „Wer 20, 30 oder noch mehr km/h zu schnell fährt, muss eine Strafe zahlen, die im Bereich von 1000 Euro liegt“, meint der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius gegenüber der „Neue Osnabrücker Zeitung“. Eine Strafe müsse Delinquenten „bis ins Mark treffen“, forderte Pistorius im Vorfeld der Innenministerkonferenz am 15.06.2016

    Bravo Pistorius! Das erhöht zumindest mal das finanzielle Risiko und das Punktekonto der Raser. Aber damit einher gehen müssen auch stärkere Kontrollen. Im Verantwortungsbereich seines rheinland-pfälzischen Kollegen wird das wohl schon deshalb nicht viel bringen, weil viel zu wenig kontrolliert wird. In der Eifel weiß man davon ein Lied zu singen. Vor allem ist das an den Wochenenden so, wenn die zu Hause „ausgebremsten“ Raser aus ganz Europa sich am Mekka der Raser, dem Nürburgring, ein Stelldichein geben.

    Man weiß, dass dann auch die Straßen in der weiten Umgebung von adrenalinbesoffenen Verkehrsrowdies unsicher gemacht werden, das belegt schon die Unfallstatistik der Polizei Adenau. Deren Leiter nennt den Grund im Südwestfunkinterview: “Man spürt noch das Rennfieber, das Adrenalin. Und das verführt zu einem gefährlichen Fahren mit teilweise entsprechenden Folgen“

    Von Polizeikontrollen im weiteren Umfeld des Nürburgrings ist allerdings nicht viel zu sehen. Schon gar nicht auf den Hauptzufahrtsstraßen zum Ring. Dafür ist die PI Adenau zu schwach besetzt, und das halte ich für politisch gewollt. Geblitzt wird unter der Woche, wenn die Pendler zur Arbeit fahren.

    Die Polizei in Adenau kann das auch ganz klar an den Zahlen ablesen: Schönes Wetter,Besuchertrainingsfahrten am Nürburgring und am besten noch am Wochenende. Dann gibt es deutlich mehr Motorradunfälle rund um den Nürburgring. Die meisten Unfälle passieren auf dem Heimweg. Viele fahren erst ihre Runden auf der Nordschleife und danach direkt nach Hause, sagt Eugen Linden, Leiter der Polizeiinspektion Adenau: “Man spürt noch das Rennfieber, das Adrenalin. Und das verführt zu einem gefährlichen Fahren mit teilweise entsprechenden Folgen“.

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