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Wolfgang Heide: Flüchtlinge wollen Grenzschließung zuvorkommen

19.02.2016, von

untersuchung

Wolfgang Heide im Einsatz

Der humanitäre Einsatz von Wolfgang Heide an der serbisch-mazedonischen Grenze geht zu Ende. Am Wochenende fährt der Heidelberger Arzt zurück nach Hause und Kollegen von der Hilfsorganisation Humedica übernehmen seine Aufgabe: Die medizinische Versorgung von Flüchtlingen, die auf der sogenannten Balkanroute unterwegs sind. In seinen letzten Tagen vor Ort machte Heide eine überraschende Beobachtung, die er sich nicht erklären kann.„Die Flüchtlingszahlen sind deutlich zurückgegangen. Wir hatten zwei Tage, an denen hier nahezu gespentische Ruhe herrschte.“ Es seien anstatt der 2.500 Flüchtlinge am Tag nur noch rund 300 bis 400 Menschen gekommen. „Das ist für uns schon wenig.“ Niemand wisse, warum die Zahlen so deutlich zurückgegangen seien, sagt Heide.

kinder

Flüchtlingskinder in Presevo

Die gesundheitlichen Beschwerden der Flüchtlinge, die in der Gegend um die serbische Stadt Presevo ankämen, seien dieselben geblieben: Die Menschen seien nach wie vor von den Strapazen gezeichnet, sagt Heide. „Wir sehen viele Familien aus Syrien oder Afghanistan ankommen.“ Oftmals seien drei bis vier Kinder oder die Großeltern dabei. Insbesondere die Bootsüberfahrt von der Türkei nach Griechenland sei ein schlimmer Umstand, den die Menschen auf sich nehmen, um hierher zu kommen. Viele Handyvideos, die er gesehen habe, belegten das, sagt Heide. Über diese Handyvideos berichtete er wiederholt, als er in den vergangenen zwei Wochen von SWRinfo interviewt worden war.

Heide hat im Laufe seines ehrenamtlichen Einsatzes noch etwas anderes beobachtet: „Die Menschen sind auf der Flucht noch mehr auf der Flucht.“ Heide vermutet, dass die anhaltenden Berichte darüber, die Grenzen könnten geschlossen werden, dafür sorgen, dass die Menschen „sich kaum eine warme Tasse Tee gönnen“ und schnell weiter wollten. Diesen Eindruck hätten auch Mitarbeiter anderer Organisationen.

Am Ende seines zweiwöchigen Engagements wünscht sich Heide zwei Dinge: „Wir in Deutschland sollten diese Mensch so empfangen, wie auch wir gerne empfangen werden würden, wenn wir vor Krieg, Terror und Armut fliehen würden.“ Und den Menschen wünscht der Heidelberger Arzt, dass sie an einen Ort kommen, „wo sie Ruhe und Geborgenheit finden“.

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