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Helfen – egal ob diesseits oder jenseits eines Zauns

16.02.2016, von

Wolfgang Heide untersucht eine Familie, die aus Afghanistan geflohen ist. (Foto: Wolfgang Heide)

Wolfgang Heide untersucht eine Familie, die aus Afghanistan geflohen ist. (Foto: Wolfgang Heide)

Kann mit Zäunen die Flüchtlingsbewegung kanalisiert werden? Ungarns Botschafter in Berlin, Peter Györkös, sagte im Interview mit dem Deutschlandfunk: „Die Grenzen können mit Blumen und Plüschtierchen nicht gesichert werden.“ Polen, die Slowakei, Tschechien und Ungarn hatten zuvor Mazedonien und Bulgarien Hilfe bei der Abriegelung der sogenannten Balkanroute zugesagt. Tausende Flüchtlinge würden dann irgendwo auf dem Balkan stranden. Was das bedeutet, kann sich Wolfgang Heide vorstellen. Der Heidelberger Arzt versorgt derzeit Flüchtlinge an der mazedonisch-serbischen Grenze.

 

„Ich denke, die Menschen werden – nachdem, was wir aus Syrien hören – andere Wege suchen und finden“, sagte Heide SWRinfo. Er hoffe aber, dass die Politik Lösungen für die Situation in Syrien und für die Lage der Flüchtlinge in Europa finde. Für ihn sei das Wichtigste, dass den Menschen geholfen werde. Dafür wollten er, seine Kollegen und die Hilfsorganisationen ihren Teil beitragen.

Heide und andere Freiwillige, beispielsweise aus Israel, behandeln nahe der serbischen Stadt Preshovo täglich Menschen, die vor dem Krieg in Syrien oder dem Irak geflohen sind und Schutz in Europa suchen wollen. Krieg mache ihn wütend, sagte Heide. „Mich macht es wütend, wenn Menschen anderen Menschen Leid zufügen.“ Ein junger Mann sei mit Gehhilfen über die Grenze gekommen, „der nach einem Bombenabwurf auf sein Haus schwer verletzt und nur notdürftig versorgt wurde.“ Familien kämen ohne Väter, weil sie im Krieg umgebracht wurden. „Überwiegend sind aber Erkrankungen, die durch die schlechten Bedingungen zustande kommen, unter denen die Menschen auf der Flucht leben.“

Die Zelte an der Grenze sind minimal beheizt (Foto: Wolfgang Heide)

Die Zelte an der Grenze sind minimal beheizt (Foto: Wolfgang Heide)

Die Menschen nähmen große Strapazen auf sich, schilderte Heide seine Eindrücke. „Es hat stark geregnet in den letzten Tagen.“ Die Zelte zur provisorischen Unterbringung der Menschen seien voll. In Preshovo warteten Menschen am Bahnsteig auf Züge Richtung Norden, von denen niemand wisse, wann sie abführen. „In der Angst, den Zug zu verpassen, sitzen sie im strömenden Regen – bestenfalls unter durchnässten Wolldecken. Ich habe mit einem irakischen Kollegen gesprochen, der mit seiner Familie auf dem Bahnsteig im Dreck saß, das bewegt mich sehr“, sagte der Heidelberger Arzt.

Wolfgang Heide behandelt nicht nur Menschen aus Syrien oder dem Irak – ebenso kämen Afghanen, berichtete er. Ein afghanischer Ingenieur habe ihm erzählt, wie er mit seiner Frau und Kindern 16 Stunden über die Berge gelaufen sei. „Sie haben mir dann Bilder auf dem Handy gezeigt, wie sie mit einem Schlauchboot das Meer überquert haben.“

 

Seit dem 7. Februar ist Wolfgang Heide nahe der serbischen Stadt Preshevo für die süddeutsche Hilfsorganisation Humedica im Einsatz. Zwei Mal in der Woche – Dienstags und Freitags – berichtet er auf SWRinfo bis zum 20. Februar telefonisch von seinen Erlebnissen.

 

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