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Westbalkan: Heidelberger Arzt versorgt Flüchtlinge

10.02.2016, von

Migranten an der serbisch-mazedonischen Grenze nahe Miratovac (AP Photo/Darko Vojinovic)

Migranten an der serbisch-mazedonischen Grenze nahe Miratovac (AP Photo/Darko Vojinovic)

„Ich habe gestern Abend eine Frau gesehen, deren Füße blau waren und die Zehen schwarz – einfach von den langen Wegen.“ Die Eindrücke, die der Heidelberger Arzt Wolfgang Heide bei der medizinischen Versorgung von Flüchtlingen an der serbisch-mazedonischen Grenze sammelt, machen nachdenklich. Immer noch machen sich tausende Menschen über die sogenannte Westbalkan-Route auf den Weg, um in der EU Schutz vor dem Krieg in Syrien, vor Verfolgung durch Daesch („Islamischer Staat“) sowie vor Hunger und Krankheit in den Flüchtlingslagern zu suchen. Weder Strapazen und Temperaturen unter Null Grad halten die Menschen von ihrer Flucht ab. 

„Ebenfalls gestern Abend kam ein zwölfjähriger Junge aus Syrien mit seinem fünfjährigen Bruder auf dem Rücken“, sagt Heide. „Der Bruder hatte Bauchschmerzen und Durchfall. Die beiden waren extrem erschöpft und müde. Der Zwölfjährige konnte uns die Frage, wann er zuletzt geschlafen hat, zunächst gar nicht beantworten.“ Erschöpfung und Durchfall – das sind typische Symptome nach den langen Autofahrten, Fußmärschen und Bootsüberfahrten. Es kämen auch ältere Menschen an, wie etwa ein 70-Jähriger mit chronischen Herzschmerzen. „Ich stell mir dann die Überfahrt von der Türkei nach Griechenland vor“, sagt Heide.

Seit dem 7. Februar ist Heide in dem serbischen Ort Miratovac für die süddeutsche Hilfsorganisation Humedica im Einsatz. Zwei Mal in der Woche – Dienstags und Freitags – berichtet er auf SWRinfo bis zum 20. Februar telefonisch von seinen Erlebnissen.  „Die kommen nicht weil bei uns der Himmel auf Erden ist, sondern weil bei denen die Hölle los ist“, zitiert Heide einen Kollegen.

„Es ist immer wieder eine Herausforderung als Arzt unter diesen Bedingungen zu arbeiten.“ Es gebe zwar genügend Material zur Versorgung, aber Technik zur Diagnostik fehle. „Wir müssen uns auf unseren medizinischen Sachverstand, die klinische Erfahrung und unser Gefühl verlassen.“ Erste Hilfe und Ruhe – viel mehr können Heide und sein Kollege nicht leisten. „Die Menschen brauchen unser Verständnis und wenn sie nach Deutschland kommen vor allem unsere Hilfe“, so Heide.

Satellitenaufnahme von Miratovac

In Miratovac versorgt der Heidelberger Arzt Heide ankommende Flüchtlinge

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