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Migranten aus Algerien und Marokko: Die Sogwirkung des Wortes

21.01.2016, von

Flüchtlinge warten Mitte Januar am Bahnhof in Passau Foto: Armin Weigel/dpa

Flüchtlinge Mitte Januar in Passau; Foto: Armin Weigel/dpa

Ein genauer Blick auf die sprunghaft angestiegenen Zahlen von Asylbewerbern aus Algerien und Marokko lässt nur einen Schluss zu: Es ist der Ausblick auf ein Leben in wirtschaftlichem Wohlstand und keine massenhafte politische Verfolgung, die die Menschen aus den beiden Staaten nach Deutschland treibt. Gleichwohl können bei nüchterner Betrachtung weder Algerien noch Marokko als sichere Herkunftsländer eingestuft werden, so wie es in der Bundespolitik diskutiert wird. Meinungsfreiheit, Akzeptanz von Homosexualität oder körperliche Unversehrtheit sind in den beiden Staaten eben keine Selbstverständlichkeiten.

Nachzulesen ist das in einer jüngeren Studie der SWP sowie Berichten von Menschenrechtsorganisationen (Amnesty über Algerien und Marokko  sowie Human Right Watch über Algerien und Marokko). Es gibt also Menschen aus Marokko und Algerien, die sehr wohl Schutz bedürfen und Asyl beantragen können.

 

Jahresvergleich Algerien/Tunesien

Jedoch gab es in den vergangenen Monaten keine relevanten politischen Ereignisse in den beiden Ländern, die als Erklärung für den jüngsten Anstieg der Fluchtbewegung nach Deutschland herhalten könnten. Die Daten des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) belegen zweifelsfrei, dass bis August die Zahlen sich auf Vorjahresniveau bewegten. Ab September aber werden schlagartig in Deutschland mehr Asylbewerber aus Algerien und Marokko im Computersystem EASY (Erstverteilung der Asylbegehrenden) registriert.

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Dieser Zeitpunkt fällt mit einem anderen politischen Ereignis zusammen – allerdings mit einem deutschen: Am 5. September hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel überraschend verkündet, Tausende Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak, die auf der Balkanroute festsaßen, dürften ohne weitere Formalitäten nach Deutschland einreisen.

Es liegt also der Schluss nahe, dass Merkels Ankündigung eine Sogwirkung entfaltete. Rätselhaft ist aber, warum zwar Menschen in Algerien und vor allem in Marokko reagierten, aber nicht aus den Krisenstaaten Ägypten und Libyen. Denn von dort haben sich die Asylbewerberzahlen seit dem Herbst nicht signifikant geändert; im Vergleich zu den Sommermonaten fielen sie sogar.

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