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We not support ISIS

19.11.2015, von

Weihnachtsmarkt-Friedrichsdorf.de gehackt von Mujahidin Cyber Army

Weihnachtsmarkt-Friedrichsdorf.de gehackt von Mujahidin Cyber Army

Eine Webseite mit „Gesichtsverlust“ und die mediale Aufregung darüber spiegelt die Nervosität, die zur Zeit in Sachen Dschihad herrscht: Hacker – oder vielmehr: Cracker – hatten eine veraltete Webseite „defaced“, also den früheren Inhalt gegen einen anderen ausgetauscht. Unter www.weihnachtsmarkt-friedrichsdorf.de war es ursprünglich um den Weihnachtsmarkt der kleinen hessischen Gemeinde im Jahr 2014 gegangen: „Romantisch, stimmungsvoll und noch schöner“ sollte er sein. Doch wer sich gestern Abend noch einmal daran ergötzen wollte, wurde plötzlich mit einer schwarz gehaltenen Seite konfrontiert, auf der eine Weltkugel abgebildet war. In diesem Globus stak eine schwarze Fahne mit arabischen Schriftzeichen und darunter stand: „Hacked by Mujahideen Cyber Army“.
In fehlerhaftem Englisch wurde gedroht: Wir werden euer Militär unterwandern und euch den Schlaf rauben, zur Hölle mit den Ungläubigen in Amerika, Rußland, Kuba und Syrien. Der Text endete mit der Klarstellung: „We not support Isis. We love Al-Qaeda“, danach kamen Danksagungen, unter anderem an die – falsch geschriebenen – „Thaliban“.  Das vorher-nachher lässt sich gut mit der waybackmachine nachvollziehen.

In diesem offenkundig Fall von digitalem Vandalismus ermittelt nun die Polizei wegen Computersabotage (§303b StgB). Nicht auszuschließen, dass ein Täter aus Deutschland dahintersteckt. Extremismusexperten kennen das Phänomen des sogenannten „Cyberdschihad“: In Niedersachsen wurde vor Jahren gegen die „Islamic Hacker Union“ ermittelt, im Juni 2011 wurde ein junger Mann namens Harry M. verhaftet, der offenbar allein dahinter stand – oder vielmehr saß: Experten sprechen von „Sesseldschihadisten“.
Defacing ist ein weitverbreitetes Propaganda- und Terrorinstrument mit dem nicht nur harmlose Weihnachtsmarktbesucher von ihrem Lebenswandel abgebracht werden soll. Die jeweils aktuellen Hackingopfer (hunderte!) listet mit ironischem Unterton die Hackerseite Zone-h auf.

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