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Spendenaufruf für Flüchtlingskinder: Und plötzlich allein…

03.09.2015, von

Spenden für Flüchtlinge (Beispielbild)

Spenden für Flüchtlinge (Beispielbild)

Nach einem Spendenaufruf für Flüchtlingskinder wird es einsam um den Online-Händler „Rebuy“. Etwa eine Woche nach dem Appell distanziert sich nun mit dem Hermes-Paketdienst offenbar auch der zweite Partner von der Aktion: Bereits kurz nach dem Start, am dritten Tag der Aktion, hatte schon ein Pressesprecher des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) gesagt, er würde den Aufruf am liebsten stoppen. Nun geht auch „Hermes“ auf Tauchstation und beantwortet keine Fragen mehr.

Eigentlich hatte ich nur per Email bei Hermes nachfragen wollen, wie viele Pakete denn mittlerweile verschickt seien. Vergangene Woche hatte Pressesprecher Martin Frommhold im Interview mit mir noch gesagt, innerhalb eines Tages nach dem Rebuy-Aufruf seien 4500 Pakete für Flüchtlingskinder abgeschickt worden, die Hermes portofrei zum Roten Kreuz transportiere.

Nun herrscht Funkstille. Stattdessen antwortet Rebuy: „Herr Frommhold von Hermes hatte uns Ihre Anfrage weitergeleitet, da reBuy der Initiator der Spendenaktion ist.“ Und ganz nebenbei heißt in derselben Mail: „Wie Sie sicher nachvollziehen können, stellt uns der Rückzug des DRK vor einigen Herausforderungen. Wir prüfen zur Zeit mit Hochdruck verschiedene Möglichkeiten, wie wir die Spendenaktion weiter operativ umsetzen.“

DRK steigt aus

Komplettausstieg des DRK?!? Ganz offenbar hat Goliath in diesem Fall David besiegt. Denn ursprünglich war der DRK-Kreisverband Berlin Wedding/Prenzlauer Berg der Mitinitiator und der Empfänger der Pakete mit Sachspenden – gefüllt mit Kinderkleidung, Spielzeug und Kinderbüchern. Der Präsident des Kreisverbandes, Werner Mertz, war, als er von der Resonanz hörte, begeistert und sprach von einem Beleg für die Willkommenskultur in Deutschland. Doch ihm schwante wohl, dass er sich den Groll der DRK-Oberen zugezogen hatte.

Denn über die Aktion des Kreisverbandes war das DRK-Generalsekretariat nach eigenen Angaben nicht informiert und überhaupt nicht begeistert. Pressesprecher Dieter Schütze sprach von einem Kommunikationsfehler. Das war jedoch nicht der einzige Fehler in der Kommunikation: Der Spendenaufruf konnte sich über Tage massenhaft mit den entsprechenden Schlagworten in den Sozialen Medien verbreiten, ohne dass das Generalsekretariat darauf aufmerksam wurde. Schütze erklärte diesen blinden Fleck in der DRK-Zentrale mit der zeitintensiven Medienarbeit rund um die Flüchtlingshilfe und mit dem Besuch von Kanzlerin Angela Merkel in der DRK-Unterkunft in Heidenau tags zuvor.

Rebuy bleibt bei seinem Aufruf

Rebuy hält trotz des DRK-Ausstiegs an seinem Appell fest; auf der Internetseite wird immer noch zu Sachspenden für Flüchtlingskinder aufgerufen – nun ohne Logo des DRK. Noch immer kann ein Hermes-Paketaufkleber heruntergeladen werden – allerdings ist das DRK in Berlin Wedding/Prenzlauer Berg inzwischen als Empfänger verschwunden. Stattdessen gehen die Pakete nun direkt zu Rebuy – was dort mit ihnen passiert, wo sie gelagert werden, ist unklar.  Die Spender verlieren dadurch die Sicherheit, direkt an das DRK zu senden und spenden.

Resonanz ungebrochen

Die Hilfsbereitschaft scheint derweil ungebrochen: Mehr als 12.000 mal wurde der Aufruf bei Facebook geteilt. In wie viele Hermes-Pakete sich diese virtuelle Begeisterung umgeschlagen hat, ist ebenfalls unklar.

Fest steht dagegen, dass das DRK ein Eigentor geschossen hat. Anstatt für einen selbst bestimmten Zeitraum konstruktiv mit den Spenden umzugehen, läuft es in diesem Fall mit seinem Kurs Gefahr, viele hilfsbereite Menschen hierzulande zu demotivieren oder sich von anderen Spendenaktionen zu entfremden. Die Dynamik der Sozialen Medien lässt sich in kein Organisationsschema pressen. Gefragt sind flexible und einfallsreiche Reaktionen – das sollte auch das Generalsekretariat des Deutschen Roten Kreuzes lernen.

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