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Die Zungenprobe: So wird der Wolf zum Wolf

08.07.2015, von

Wolfsexperten aus Freiburg untersuchen das tote Tier

Wolfsexperten aus Freiburg untersuchen das tote Tier (Foto: FVA)

Ist nach 150 Jahren der Wolf wieder zurück in Baden-Württemberg? Es war ein Stück Muskelfleisch, dass die Sensation um den überfahrenen Wolf von der A5 bei Lahr in dieser Woche zur Gewissheit werden ließ.

Aus einem knapp einen Zentimeter großen Stück der Zunge des toten Tieres hatten die Wissenschaftler der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung in Frankfurter DNA extrahiert und dann einzelne Erbgutabschnitte untersucht, die für Wölfe arttypisch sind. So konnten sie im Labor immer weiter in die Tiefe gehen und schon nach wenigen Tagen zweifelsfrei feststellen, dass es weder ein Wolfshund noch ein Wolfshybride war, der tot an der A5 gelegen hat – es war ein Wolf.

Oft dauern selbst solche Eil-Untersuchungen auch länger als 10 Werktage, dieses Mal ging es schneller und deshalb wissen wir nun: Nach 150 Jahren ist (war) der Wolf zurück in Baden-Württemberg. Je nach Untersuchungstiefe und Dringlichkeit bis zu 400 Euro kostet ein derartiger DNA-Test, gezahlt hat ihn das Land Baden-Württemberg.

Zum Skalpell gegriffen und die Zungenprobe vom toten Tier genommen, in Ethanol eingelegt in ein Proberöhrchen per Post ans Labor geschickt haben die Wolfsexperten der Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg.

Für die DNA-Extraktion braucht das Labor Muskelfleisch. Damit bei der pathologischen Untersuchung des toten Tiers im Berliner Leibniz-Institut für Zoo-und Wildtierforschung keine Irritationen entstehen und Verletzungsszenarien nachgespürt werden können, haben sich die Wolfsforscher darauf verständigt, vom toten Wolf  stets eine Zungenprobe zu nehmen.

In Deutschland gehen alle Wolfsproben zur Frankfurter Senckenberg Gesellschaft, dem nationalen Referenzszentrum für die DNA der Wölfe.

Nun wissen wir also, es war ein Wolf und die Vergleiche mit den Wolfsproben, die bisher in Frankfurt in den Datenbanken stehen, verraten zudem: Das Tier stammt nicht aus dem Osten sondern aus der sogenannten Alpenpopulation. Von den Wölfen aus Italien und der Schweiz sowie von dem Wolfsrudel, das in den Vogesen lebt, liegen Gen-Proben in den Laboren der Universität in Lausanne. Dort werden aber nicht dieselben Genabschnitte wie in der Senckenberg Gesellschaft untersucht, deshalb gingen auch dorthin Gewebeproben des Lahrer Wolfes mit der Absicht, herauszufinden, aus welcher Linie das Tier stammt.

Es ist beim Wolf und dem Wolfsmonitoring oft wie in einem Krimi. Wissenschaftler, Jäger, Förster und Naturfreunde sammeln in Wolfsgebieten Kotproben in Schraubgläsern, DNA wird extrahiert, die Ernährungslage im Labor analysiert, der Erhaltungszustand des Rudels ermittelt.

Auch wenn ein totes Nutztier plötzlich auf der Weide liegt und der Riss dem Wolf zugeschrieben wird, rücken die Wolfskundler mit sterilen Wattestäbchen und Röhrchen an, nehmen vom Riss – von der Wunde – einen Rissabstrich und können dann nach einigen Wochen mit Glück über die Analyse der Speichelrückstände sagen, ob der Wolf zugeschlagen hat oder es vielleicht doch ein wildernder Hund war, der den blutigen Kadaver auf der Weide zurückgelassen hat.

Aber wie das bei den meisten  Dingen im Leben ist: Auch dieses kriminalistische Vorgehen hat seine Schwachpunkte: Die DNA im Speichel reagiert sehr empfindlich auf UV-Licht, das Licht zersetzt die Spuren, die zum Wolf führen.

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