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Problem: Kassetten und Schallplatten digitalisieren

26.03.2012, von

Immer wieder erreichen mich Fragen wie die von Herrn F.:
Ich will schon länger meine MC auf CD’s bringen. Am MC-Recorder habe ich Kopfhörerausgang und hinten phono und aux jeweils weiß und rot. Vorn die Tasten Phono, Tuner, Tape, CD, Aux, Mute. Bei der Verbindung Kopfhörer zu Line In am PC zucken zwar die Aufnahmebalken, aber es kommt nur ein Brummen beim Abspielen. Die Verbindung Kopfhörer(Tuner) zum Line In, bringt aber eine gute Qualität zum PC- Line Out (es entsteht keine Aufnahme).
Was mache ich falsch?

Andreas antwortet: Wir hatten das Thema jetzt in „Kaffee oder Tee“. Hier das Video aus der Mediathek dazu:

http://swrmediathek.de/player.htm?show=fdc6b750-7760-11e1-ab2f-0026b975f2e6

Und hier der Text:
Viele haben sicherlich noch etliche Schallplatten und Musik-Kassetten zu Hause. In Zeiten von MP3-Player und Musik im Haus hören von einem vernetzten PC-Laufwerk sind diese Medien nicht mehrzeitgemäß. Dazu kommt, dass Schallplatten als auch Musik-Kassetten an Qualität verlieren, je öfter sie abgespielt werden.
Da bietet die Digitalisierung der Aufnahmen eine gute Möglichkeit, diese Schätze vor einem weiteren Qualitätsverlust zu sichern.

Benötigte Hardware und Software
Kassettendeck und/oder Plattenspieler mit Vorverstärker
PC mit Soundkarte
Kabelverbindung (Cinch-Stecker auf Mini-Klinke in Stereo-Ausführung)
Software zur Aufnahme, Digitalisierung und Bearbeitung der Aufnahmen

Alternativ bieten auch verschiedene Hersteller eine Software plus einen Vorverstärker mit Digitalisierer der dann mit einem USB-Anschluss an den PC angeschlossen wird. Dadurch wird der Anschluss über die Soundkarte überflüssig und damit mögliche Fehlerquellen bei den Einstellungen der Soundkarte ausgeschaltet.

Prinzipielles Vorgehen
Ausführliche Anleitungen gibt es etliche im Internet. Mit der Suche „Kassetten oder Schallplatten digitalisieren“ findet man jede Menge Anleitungen auch um die gemachten Aufnahmen zu verbessern, z.B. um das Knistern von Schallplatten zu entfernen.

Software zur Aufnahme und Bearbeitung gibt es im Bereich der kostenlosen Freeware, dann gibt es kostengünstige Software mit völlig ausreichenden und weitreichenden Einstellungsmöglichkeiten, um den Sound der Aufnahmen zu verbessern bis hin zu teuren Profi-Programmen zur Tonbearbeitung.

Prinzipiell muss der Eingang der Soundkarte (meist Mini-Stereo-Klinke 3,5mm) mit dem Ausgang des Kassettenabspielgerätes (meist zwei Cinch-Buchsen) verbunden werden.
Die Soundkarte muss so eingestellt werden, dass der Eingang auch aktiviert ist und die Lautstärke so eingestellt wird, dass die Aufnahmen nicht übersteuert, aber auch nicht zu leise eingespielt werden.

Plattenspieler haben zwar auch einen Stereo-Cinch-Ausgang, sie können jedoch nicht direkt an die Soundkarte des PCs angeschlossen werden. Zum einen ist der Ausgangspegel zu gering, aber vor allem ist der Frequenzgang des Musikmaterials auf einer Schallplatte verfremdet. Die Tiefen werden abgesenkt, die Höhen angehoben. Diese Frequenz-Verzerrung trägt der besonderen Produktionsweise von Schallplatten Rechnung.
Die erste Aufgabe eines Entzerrer-Vorverstärkers besteht also darin, diesen verbogenen Frequenzganz wieder auf linear „zurückzubiegen“. Da magnetische Tonabnehmer nur einen geringen Pegel liefern, hebt der Entzerrer-Vorverstärker auch den Pegel auf die Höhe eines typischen Line-Eingangs an, wie man ihn gleichermaßen an Soundkarten oder Hi-Fi-Anlagen antrifft.

Besonders bedienerfreundlich sind kleine Vorschaltgeräte, an die man seine Abspielgeräte, sei es Kassettendeck oder Plattenspieler, anschließen kann und das Gerät selbst wird dann nur per USB-Anschluss an den PC angeschlossen. Damit ist quasi eine Soundkarte überflüssig und damit auch die Veränderung von Einstellungen an der Soundkarte.

Hat man dann eine Kassette oder Platte eingelesen, so kann man mit einer Software die Einzelstücke voneinander trennen, um einzelne Musikdateien zu erhalten. Darüberhinaus kann man mit der Software festlegen in welchem Format man die Stücke abspeichern möchte. MP3 ist dabei nur ein mögliches Format, dass vor allem durch die MP3-Player große Bekanntheit und Beliebtheit erlangt hat. Mittlerweile gibt es aber auch noch modernere Format, die noch weniger Daten-Verluste erzeugen und damit die Klangqualität besonders hoch erhalten.

Gleichzeitig kann man mit der Software die Musikdateien entrauschen, das Knacksen und Knistern der Platten entfernen, die Klangqualität verbessern.

Zeitdauer
Nicht zu unterschätzen ist bei der Digitalisierung der Zeitaspekt.
Pro Kassette/Schallplatte geht gerne ein ganzer Abend drauf. Die Platten oder Kassetten müssen ja in Echtzeit abgespielt und aufgenommen werden. Vorher sind einige Probeaufnahmen nötig, bis die optimale Einstellung der Klangverbesserung gefunden ist. Bis die einzelnen Lieder dann auseinandergeschnitten und mit mp3-Tags (Angaben zum jeweiligen Musikstück wie Titel, Komponist etc.) versehen sind, vergeht weitere Zeit.
Wer einfach nur „Supertramp – Breakfast in America“ digitalisieren möchte, kann das Album einfacher für 5-10 Euro aus dem Netz -legal- herunterladen. Das dauert 15 Minuten und alles ist perfekt.
Der ganze Aufwand lohnt sich nur bei echten Schätzchen, die es anders gar nicht mehr gibt.

Weitere Digitalisierungsmöglichkeiten
Ähnliche Verfahren werden auch angewendet, wenn man seine alten VHS-Kassetten auf dem PC abspeichern möchte oder alte Fotos, von denen man nur Papierabzüge hat, ebenfalls auf der Festplatte abspeichern möchte.
Für VHS-Filme gibt es sogenannte Videograbber, mit denen Videorekorder und PC miteinander verbunden werden. Für Papierfotos kommt ein Flachbettscanner, für Dias ein Filmscanner zum Einsatz.

Digitalisierung als Dienstleistung
Wer den Aufwand scheut, kann auch einen Dienstleister beauftragen. Dieser säubert und digitalisiert das Material. So lassen sich Bildfehler oder Störungen leichter beseitigen oder die Klangqualität verbessern. Entsprechende Anbieter lassen sich im Internet finden. Dienstleister digitalisieren Urlaubsvideos, Fotos, Schallplatten, Musikkassetten meist schnell und professionell.
Videofilme auf VHS kosten ab ca. 10.- Euro pro Kassette, die Preise sind meist nach Qualität und Spielzeit gestaffelt.
Die Digitalisierung eines Foto-Albums mit 10 Seiten kostet um die 20.- Euro. Fotos können bei größeren Mengen schon ab 8 Cent pro Foto gescannt werden. Der Preis für ein Dia liegt bei rund 50 Cent. Die Kunden erhalten die digitalisierten Fotos in der Regel auf einer DVD.
Die Digitalisierung einer Schallplatte kostet ca. 13.- Euro pro Platte.

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