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Lichtverschmutzung im Wasser

17.10.2016, von , in Karte anzeigen

Das Seelabor auf dem Stechlinsee (Foto: Oczipka, IGB-HTW Dresden)

Das Seelabor auf dem Stechlinsee (Foto: Oczipka, IGB-HTW Dresden)

Auf dem Stechlinsee in Brandenburg schwimmt seit Juni 2012 ein riesiges Seelabor. Es hat 24 Becken mit je neun Metern Durchmesser. Mit Planen sind sie vom Rest des Seewassers abgeschirmt. Wissenschaftler vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) wollen mit Hilfe der Becken herausfinden, wie künstliches Licht auf Mikroorganismen und Fische wirkt. Dafür beleuchteten die Biologen von Ende August bis Mitte Oktober 2016 das Wasser nachts mit LED-Lichtern. Beeinflusst diese künstliche Lichtverschmutzung die Algenproduktion? Verändern die Tiere ihr Verhalten? Um das zu prüfen, fuhren die Biologen regelmäßig zum Seelabor und nahmen Wasserproben. Julia Beißwenger war an einem Oktobermorgen dabei.


Wissenschaftler des IGB setzen zum Seelabor über. (Foto: Bauchrowitz, IGB)

Wissenschaftler des IGB setzen zum Seelabor über. (Foto: Bauchrowitz, IGB)

Direkt am Ufer des Stechlinsees hat das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) seine Labore. Um Wasserproben zu nehmen, fahren die Wissenschaftler mit einem Motorboot zum Seelabor, das rund 200 Meter vom Ufer entfernt liegt.

Insgesamt sind 60 Wissenschaftler aus zehn verschiedenen Ländern an dem Forschungsprojekt beteiligt. An diesem Morgen sind rund 20 Biologen und Techniker dabei. Sie bilden kleine Teams, um Wasserproben aus den verschiedenen Becken zu holen, die mit unterschiedlichen Lichtintensitäten in der Nacht bestrahlt wurden.

Die Biologin Susanne Stephan (ganz links) und ihre Kollegen nehmen eine Wasserprobe. (Foto: Bauchrowitz, IGB)

Die Biologin Susanne Stephan (ganz links) und ihre Kollegen nehmen eine Wasserprobe. (Foto: Bauchrowitz, IGB)

Die Forscher lassen einen Schlauch ins Wasser, an dessen Ende eine Schnur befestigt ist. Mit ihr ziehen sie den Schlauch wieder an die Oberfläche, so dass Wasser hinein fließt. An diesem Morgen werden Proben von null bis neun Metern genommen. An anderen Tagen holen die Wissenschaftler Wasser aus neun bis fünfzehn Meter Tiefe, erzählt die Biologin Susanne Stephan.

LED Lichter beleuchten das Wasser der Forschungsbecken in der Nacht. (Foto: Andreas Jechow, IGB)

LED Lichter beleuchten das Wasser der Forschungsbecken in der Nacht. (Foto: Andreas Jechow, IGB)

In den tiefen Wasserschichten halten sich am Tage Wasserflöhe auf, erzählt sie. Nachts kommen die Tierchen normalerweise an die Oberfläche, um dort Algen zu fressen. Das künstliche Licht könnte sie abschrecken. Dann würden weniger Algen gefressen und die Algenbiomasse nähme zu, vermuten die Wissenschaftler. Andererseits weisen erste Ergebnisse darauf hin, dass die Algen selber durch Nachlicht gestört werden und weniger wachsen. Fische wiederum schwimmen offenbar durch das Licht im Schnitt zwei Meter höher an der Wasseroberfläche. Wie die Zusammenhänge genau sind, müssen Labvorversuche noch zeigen.

. Stella Berger füllt eine Wasserprobe in ein Kamerasystem, das die Organismen im Wasser einzeln fotografiert. (Foto: Julia Beißwenger)

Stella Berger füllt eine Wasserprobe in ein Kamerasystem, das die Organismen im Wasser einzeln fotografiert. (Foto: Julia Beißwenger)

In den Laboren am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei analysieren die Biologen die chemische Zusammensetzung des Wassers und prüfen, welches Plankton darin schwimmt. Stella Berger gibt mit einer Pipette eine Probe in einen Trichter, der mit einem Kamerasystem verbunden ist. Diese sogenannte Flowcam fotografiert alle Algen und Wasserflöhe im Wasser. Die Organismen haben einen Durchmesser von 20 bis 300 Mikrometer. Insgesamt werden mehrere hundert Wasserproben allein durch die Flowcam fließen. „Es liegt also noch viel Arbeit vor uns, bis alle Daten ausgewertet sind“, betont Stella Berger. Wie Licht die Lebewesen genau im Seewasser beeinflusst, werden die Wissenschaftler frühestens im Herbst 2017 bekannt geben.

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