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Apfelbäume mit Depressionen

04.10.2016, von , in Karte anzeigen

Forscher versuchen herauszufinden, wie sich Wachstumsdepressionen bei Apfelbäumen vermeiden lassen (Foto: NDR)

Forscher versuchen herauszufinden, wie sich Wachstumsdepressionen bei Apfelbäumen vermeiden lassen

Es ist ein lange bekanntes, aber dennoch bislang unerforschtes Phänomen: Nach wiederholtem Anbau einer Pflanzenart sinken die Erträge, die Pflanzen wachsen schlechter und werden häufiger krank. Vor allem Apfelbäume leiden und bekommen auf müden Böden Wachstumsdepressionen. In dem Verbundprojekt ORDIAmur, an dem verschiedene Universitäten und Forschungseinrichtungen in ganz Deutschland beteiligt sind, gehen Wissenschaftler den Ursachen jetzt auf den Grund. Das Gartenbauliche Institut der Leibniz Universität Hannover koordiniert das Verbundprojekt und erforscht in großen Gewächshäusern voller Apfelbäumchen, ob müde Böden wieder munter werden, wenn sie mit Bakterien und Pilzen behandelt werden. Carmen Woisczyk war dort.

Dutzende Apfelbäumchen stehen in kleinen Blumentöpfen auf den Tischen im Gewächshaus des Gartenbaulichen Instituts. Die Erde in den Töpfen stammt aus einer Baumschule, die darin schon mehrfach Apfelbäume gepflanzt hat. Nun ist der Boden müde. Das heißt: Würde man darin wieder Apfelbäume anpflanzen, würden sich Wachstumsdepressionen bekommen.

Bakterien für widerstandsfähige Pflanzen

Lassen sich müde Böden wieder auffrischen? (Foto: NDR)

Lassen sich müde Böden wieder auffrischen?

Die Wissenschaftler des Instituts versuchen es dennoch. Aber sie geben in jeden kleinen Blumentopf ein paar Tropfen von einer speziellen Flüssigkeit, in der Bakterien, Pilze und Pflanzenstärkungsmittel sind. Denn sie wissen, dass sich diese Mittel bei anderen Pflanzenarten bereits positiv auswirkt haben. Bazillus subtiles zum Beispiel ist ein ganz universell einsetzbares Bakterium, das bei Pflanzen dazu führt, dass es die Widerstandsfähigkeit erhöht. Aber ob das auch bei Apfelbäumen klappt? Das wollen die Forscher jetzt in dem Versuch unter Laborbedingungen herausfinden.

 

Müde Böden wieder reaktivieren
Sie vermuten, dass das Gleichwicht der Mikroorganismen in einem müden Boden gestört ist und versuchen, es mit den positiv wirkenden Bakterien und Pilzen wieder zu stabilisieren. Vor der Behandlung haben sie den müden Boden genau untersucht und wissen, dass ihm eigentlich keine Nährstoffe fehlen.

Das Wachstum der Pflanzen wird regelmäßig überpüft (Foto: NDR)

Das Wachstum der Pflanzen wird regelmäßig überpüft

Auch das Klima im Gewächshaus ist ideal für das Wachstum der Bäume: Die Temperatur liegt bei konstant 20 Grad Celsius und die Pflanzen werden regelmäßig von einem feinen Sprühnebel umhüllt. Nach der Behandlung mit Pilzen und Bakterien werden sie 8 Wochen lang genau beobachtet: Die Forscher messen regelmäßig das Wachstum der Pflanzen und entnehmen Wurzelproben.

Vitale Wurzeln leuchten unter Mikroskop
Sie holen eine komplette Pflanze aus dem Topf heraus. An einem Waschtisch wird der Wurzelballen vorsichtig mit Wasser von der Erde befreit. Anschließend werden die Wurzelspitzen mit einer Pinzette gekappt und ins Labor gebracht. Nun wird unter dem Mikroskop untersucht, wie vital die Wurzeln sind. Dabei schauen die Wissenschaftler sich jeden Millimeter an.

Die Wurzeln werden für die Untersuchung unter dem Mikroskop vorbereitet (Foto: NDR)

Die Wurzeln werden für die Untersuchung unter dem Mikroskop vorbereitet

Sie wollen genau wissen, wie viele Zellen in den Wurzeln gesund und wie viele bereits abgestorben sind. Die Wurzeln wurden für die mikroskopische Untersuchung mit Fluoreszenzfarbstoff eingefärbt. Nur die vitalen Zellen nehmen den speziellen Farbstoff auf und leuchten unter dem Mikroskop grün und rot. Abgestorbene Zellen nehmen die Farbe dagegen nicht an.

Im Vergleich mit Wurzeln von unbehandelten Apfelbäumen ist die behandelte Probe tendenziell vitaler. Doch noch ist es für ein Ergebnis zu früh. Die Wissenschaftler müssen erst noch viele weitere Proben untersuchen. Sie stehen erst am Anfang ihrer Forschungen.  Deshalb können sie auch noch nicht erkennen, ob sich die Behandlung mit Pilzen, Bakterien und Pflanzenstärkungsmitteln tatsächlich positiv auf die Apfelbäumchen auswirkt.

Gemeinsam gegen müde Böden

Auch mit Hilfe von Pilzen und Mikroorganismen sollen die Böden neues Leben bekommen (Foto: NDR)

Auch mit Hilfe von Pilzen und Mikroorganismen sollen die Böden neues Leben bekommen

Aber das ist auch nicht die einzige Strategie, um müde Böden wieder munter zu machen, erklären sie. Zusätzlich legen sie dutzende Pilz- und Bakterienkulturen von den Wurzelproben an. Es ist eine Bestandaufnahme. Auch die Mikroorgansimen im Boden werden genau erforscht. Schließlich wollen die Wissenschaftler in dem Verbundprojekt ORDIAmur das Zusammenspiel der Mikroorganismen in  Apfelbaum und Boden besser verstehen. Und nicht nur an der Leibniz Universität Hannover wird das Phänomen „müder Boden“ erforscht, sondern zum Beispiel auch am Julius Kühn-Institut, am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung und an der Humboldt-Universität Berlin.

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