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Blitzlichter am Bahnübergang – Unfälle vermeiden mit High-Tech

05.09.2016, von , in Karte anzeigen

 

In einem Fahrsimulator wird getestet, wie man Bahnübergänge sicherer machen kann (Foto: NDR)

In einem Fahrsimulator wird getestet, wie man Bahnübergänge sicherer machen kann

Bahnübergänge sind lebensgefährlich: Etwa jeder 4. Unfall endet tödlich. Besonders an unbeschrankten Bahnübergängen ist die Gefahr groß. Dabei passieren Unfälle häufig durch unaufmerksames oder leichtsinniges Verhalten von Autofahrern. Ein Blitzlichtgewitter am Bahnübergang soll das jetzt ändern. Das sogenannte PeriLight soll den Blick des Fahrers lenken, so dass er den herannahenden Zug rechtzeitig erkennen und bremsen kann. Bei der InnoTrans in Berlin, der internationalen Fachmesse für Verkehrstechnik mit Schwerpunkt Schienenverkehrstechnik vom 20. bis 23.9. stellen Wissenschaftler vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt ihre lebensrettende Neuheit vor. Carmen Woisczyk hat das neu entwickelte System zur Blicklenkung vorab getestet.


Pulsierendes Licht lenkt den Blick

Noch gibt es PeriLight nicht draußen an Bahnübergängen. Aber in einem Fahrsimulator des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt können Autofahrer realitätsnah erleben, wie das Blitzlichtgewitter funktioniert:

Blichtlicht lenkt den Blick in eine bestimmte Richtung (Foto: NDR)

Blichtlicht lenkt den Blick in eine bestimmte Richtung

Weißes LED-Licht prasselt im Wechsel von rechts und links auf den Fahrer ein, während er sich dem unbeschrankten Bahnübergang nähert. Sein Blick wird automatisch auf die Lichtquelle gelenkt. Der Fahrer kann gar nicht anders, er muss nach rechts und links schauen. Er reagiert instinktiv und kann herannahende Züge rechtzeitig erkennen und bremsen.

Denn das pulsierende Licht trifft seitlich auf das sogenannte periphere Gesichtsfeld im Auge und macht sich automatische Prozesse der visuellen menschlichen Informationsverarbeitung zunutze, erklären die Forscher. Es kommt aus zwei kleinen, grauen Kästen, die draußen im Straßenverkehr etwa 50 Meter links und rechts an unbeschrankten Bahnübergängen aufgestellt werden sollen. Passiert ein Fahrzeug einen Sensor auf der Straße, wird PeriLight automatisch ausgelöst und zieht die Aufmerksamkeit des Fahrers auf sich.

Erste Tests im Straßenverkehr
Die Wirksamkeit konnten die Forscher des DLR belegen: Zum einen wurde das neue System zur Blicklenkung im Fahrsimulator getestet. Zum anderen wurde PeriLight draußen im Straßenverkehr installiert und mit 30 Autofahrern getestet. Sie wurden erst nach dem Versuch über das Experiment aufgeklärt, so dass ihre Reaktion unvoreingenommen war. Außerdem wurden ihre Augenbewegungen während der Fahrt mit einer speziellen Kamera aufgezeichnet. So konnten die Forscher die Blickrichtung genau analysieren.

Reporterin Carmen Woisczyk  bei ihrer Testfahrt im Fahrsimulator (Foto: NDR)

Reporterin Carmen Woisczyk bei ihrer Testfahrt im Fahrsimulator

Das Ergebnis: Von 30 Teilnehmern haben 22 ohne Peri-Light am Bahnübergang nicht richtig reagiert. Nur 8 haben tatsächlich nach links und rechts geschaut. Mit Peri-Light war es genau umgekehrt: 22 Personen haben richtig reagiert, nur 8 dagegen falsch. Bis zu drei Jahre könnte es dauern, bis PeriLight an Bahnübergängen installiert werden kann, sagen die Forscher. Sie wollen das Blitzlichtlichtgewitter weiter entwickeln.

Zusätzliche akustische Warnsignale

Ein akustisches und ein visuelles Signal im Fahrzeug warnen vor einem Bahnübergang (Foto: NDR)

Ein akustisches und ein visuelles Signal im Fahrzeug warnen vor einem Bahnübergang

Zusätzlich tüfteln sie an einem zweiten System für mehr Sicherheit an Bahnübergängen: Ein akustisches Warnsignal im Cockpit des eigenen Fahrzeugs soll die Aufmerksamkeit zusätzlich erregen. Dabei kommuniziert das Auto mit dem Schienenverkehr und zeigt außerdem die genaue Wartezeit im Cockpit an. Diese Technologie kann allerdings nicht nachgerüstet werden und ist deshalb nicht für ältere Fahrzeuge geeignet. Beide Systeme, Blitzlicht und Assistenzsystem, werden vom 20. bis 23. September bei der InnoTrans in Berlin, der internationalen Fachmesse für Schienenverkehrstechnik, vorgestellt und können im Fahrsimulator des DLR  getestet werden.

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