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Der Duft des Erinnerns – Von der Nase ins Gedächtnis

29.08.2016, von , in Karte anzeigen

Reporter Johannes Döbbelt schnüffelt für die Forschung (Foto: WDR)

Reporter Johannes Döbbelt schnüffelt für die Forschung

Frisch gemähter Rasen, Regentropfen auf heißem Asphalt oder ein bestimmtes Parfum – viele Gerüche lösen in uns Erinnerungen aus, versetzen uns mit einem Schlag zurück in unsere Kindheit oder den letzten Sommerurlaub. Forscher an der Ruhr-Universität-Bochum wollen herausfinden, wie unser Gedächtnis von Gerüchen beeinflusst wird. Können wir uns bestimmte Dinge vielleicht besser merken, wenn wir sie nicht nur sehen, sondern gleichzeitig etwas riechen?

Ein buntes Kinderspielzeug dient als wichtiges Testutensil (Foto: WDR)

Ein buntes Kinderspielzeug dient als wichtiges Testutensil

Um diese Frage zu beantworten, haben sich Prof. Boris Suchan und Doktorand Patrick Schulze vom Institut für kognitive Neurowissenschaften ein Geruchsexperiment ausgedacht. Die Probanden haben die Aufgabe, sich Objekte anzuschauen und einzuprägen, die aus einem „Konstruktionsspielzeug“ für Kinder zusammengebastelt sind – aus vielen bunten Stäbchen, Streben oder Rädchen, die sich ineinander stecken lassen. Die Objekte erinnern höchstens entfernt an Häuser, Menschen oder Maschinen. Sie sind bewusst als Fantasie-Figuren konzipiert, damit sie den Probanden vorher nicht schon bekannt sind.

 

Orange, Zwiebel oder alter Fisch

Orange, Minze oder alter Fisch - es gibt die unterschiedlichsten Gerüche (Foto: WDR)

Orange, Minze oder alter Fisch – es gibt die unterschiedlichsten Gerüche

Bei jedem Objekt werden den Versuchsteilnehmern zugleich Geruchsstifte unter die Nase gehalten. Sie sehen aus wie dicke Filzstifte und verbreiten verschiedene Aromen: Einige riechen nach Orange, Minze oder Leder, andere nach Zwiebeln oder altem Fisch. Zum Kontroll-Vergleich gibt es außerdem Stifte, die geruchslos sind.

 

 

Video: Duftforschung
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Hirnaktivität wird im Scanner gemessen

Im MRT wird die Hirnaktivität während des Erinnerungsvorgangs gemessen. ( Foto: WDR)

Im MRT wird die Hirnaktivität während des Erinnerungsvorgangs gemessen.

Eine Woche später werden die Probanden in einem Magnetresonanztomografen (MRT) genau unter die Lupe genommen. Sie sehen erneut Objekte aus Konstruktionsspielzeug – und zwar solche, die bereits im ersten Teil des Versuchs vorkamen, sowie neue, unbekannte Objekte. Die Testpersonen geben an, an welche Objekte sie sich erinnern können und welche für sie neu sind. Der MRT scannt dabei ihre Hirnaktivität.

 

 

 

Der Geruch des Erinnerns

Patrick Schulze erforscht den Zusammenhang von Riechen und Gedächtnis (Foto: WDR)

Patrick Schulze erforscht den Zusammenhang von Riechen und Gedächtnis

Das Ergebnis: Die Probanden erinnern sich genauso gut an die Objekte, bei denen sie gleichzeitig einen Geruch wahrgenommen haben, wie an jene, bei denen es nichts zu riechen gab. Die MRT-Analyse zeigt allerdings: Der Hippocampus, ein bestimmter Teil des Gehirns, ist stärker aktiv, wenn die Objekte mit einem Geruch verbunden sind. Der Hippocampus gilt als Schaltzentrale für Erinnerungen in unserem Gehirn und ist an vielen Gedächtnisprozessen beteiligt. Die Forscher vermuten, dass im vorderen Hippocampus die Informationen verschiedener Sinneseindrücke zusammengeführt werden. Ob das nur für Sehen und Riechen oder auch für andere Sinne gilt, wollen sie noch herausfinden.

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