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Naturschutz versus Landwirtschaft – Bibermanagement

22.08.2016, von , in Karte anzeigen

Die Biber sind wieder da. Doch ihre Anwesenheit schafft auch Probleme wie z.B. Überschwemmungen. (Foto: Nicola Wettmarshausen)

Die Biber sind wieder da. Doch ihre Anwesenheit schafft auch Probleme wie z.B. Überschwemmungen.

Immer wieder kommen sich Bauern und Biber „ins Gehege“: Während Naturschützer die Rückkehr der Biber in Baden-Württemberg begrüßen, sind Landwirte oft weniger froh. Erst recht nicht, wenn Biberdämme Wasser stauen, was wiederum die Heuernte schwierig bis unmöglich macht. Fangen oder einfach umsiedeln darf man die Nager aber nicht, denn sie sind naturschutzrechtlich geschützt. Was also tun? Rainer Allgöwer ist der Mann der Stunde: Der Bibermanager sucht vor Ort nach einer praktischen Lösung. Nicola Wettmarshausen hat ihn dabei begleitet.

Biberbauten werden kartographiert

Der Schäfer des angrenzenden Weidelandes und der Bibermanager Rainer Allgöwer diskutieren über die richtige Vorgehensweise (Foto: Nicola Wettmarshausen)

Der Schäfer des angrenzenden Weidelandes und der Bibermanager Rainer Allgöwer diskutieren über die richtige Vorgehensweise (Foto: Nicola Wettmarshausen)

So richtig mag er ihn nicht, den Biber. „Der soll sein Gebiet haben, und wir brauchen die Felder für uns“, sagt Landwirt Michael Esslinger aus Giengen an der Brenz. Weil er und seine Kollegen ausschließlich von der Landwirtschaft leben, können Ernteausfälle für sie existenzbedrohend sein. Aktuell möchte er sein Heu ernten, und deswegen muss der Wasserspiegel jetzt abgesenkt werden, meint Michael Esslinger. Die Landwirte sind froh, dass Rainer Allgöwer so zeitnah kommen konnte.
Gemeinsam laufen sie den gestauten Wassergraben und schauen, wo die Biberdämme liegen. Jeden Damm misst der Zoologe ins GPS-System ein, um ihn später in eine Karte einzutragen. Falls die Biberbauten manipuliert werden sollten, darf das dann nur mit seiner Genehmigung geschehen, erklärt er.

Verhalten der Biber schwer vorherzusagen
Michael Esslinger fragt ihn, ob man einen Weidezaun über dem Biberdamm errichten könne, damit das Tier nicht höher baut? „Besser wäre ein Elektrozaun“, meint Rainer Allgöwer. „Das Problem ist nur“  – und der Biologe spricht aus fünfzehn Jahren Erfahrung mit dem Biber – „Der wird anschließend einen weiteren Damm anlegen, weiter oben oder weiter unten. Würde man dann über jeden Damm eine Litze spannen, wird es irgendwann zu riskant. Wasser leitet Strom bekanntlich gut.“

Biber wehren sich bei Gegenmaßnahmen

Wo der Biber seine Dämme baut, werden des öfteren Felder und Wiesen überschwemmt (Foto: Nicola Wettmarshausen)

Wo der Biber seine Dämme baut, werden des öfteren Felder und Wiesen überschwemmt

Eine bessere Lösung wäre, das Wasserniveau abzusenken. Das gelingt mit vier Drainage-Schläuchen, die mit unterschiedlichen Längen am Ufer eingebaut werden. Solche  Bauarbeiten kosten allerdings Zeit und Geld. Die Landwirte befürchten, dass dies keine schnelle Lösung ist. Doch für Rainer Allgöwer ist es wiederum keine Option, den Damm zu entfernen.“Dann baut der Biber einen neuen. Das ist ein Spiel mit den Bibern, und je heftiger wir da herangehen, umso stärker ist die Gegenreaktion dieser Tiere“ gibt der Biologe zu bedenken. Dass der Biber klug und hartnäckig ist, wird den Beteiligten spätestens jetzt klar.

Salamitaktik am Biberdamm

Biberberater und Artenschutzbeauftragter Claudius-Michae Klatt kappt den Biberdamm (Foto: Nicoal Wettmarshausen)

Biberberater und Artenschutzbeauftragter Claudius-Michae Klatt kappt den Biberdamm

Einer der Landwirte schlägt die Salamitaktik vor: Den Biberdamm vorsichtig niedriger machen, 40 – 60 Zentimeter, und dann: abwarten. Baut der Biber ihn wieder auf, kann man eine Drainage versuchen. Baut er nicht weiter – ist alles gut. Der ortsansässige Biberberater Claudius-Michael Klatt findet den Vorschlag pragmatisch. Und da er eh schon die passenden Gummistiefel trägt, schnappt er sich sein Werkzeug, steigt in den Bach und fängt an, den Damm erst mal nur zehn Zentimeter weit zu öffnen. Dann könne man am folgenden Tag sehen, , ob es den Biber stört oder nicht. Rainer Allgöwer ist einverstanden: die vorsichtige Annäherung scheint die richtige Strategie zu sein. Denn schließlich darf und soll der Nager jetzt hier leben, nachdem wir Menschen ihn erfolgreich ausgerottet hatten hier im Land.

Warum gibt es die Konflikte mit dem Biber überhaupt? Rainer Allgöwer sieht das Problem in der Landnutzung. Der Mensch hat natürliche Flussauen umgebaut und intensiv genutzt, die früher einfach Brachland und Überschwemmungsgebiet waren. Diese Fehler werden durch den Biber deutlich, meint der Biologe. Und deswegen ist es sinnvoll, wenn sich der in ganz Europa wieder etabliert.

Mehr zum Thema:
Zoff am Biberdamm

 

 

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Kommentare zu „Naturschutz versus Landwirtschaft – Bibermanagement“

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  1. Reinhard Stranz
    schreibt am 28. August 2016 17:38 :

    Was machen wir denn wenn der Grundwasserspiegel um 4m abgesackt ist mit dem Trockenrasen und dem sterbenden Wald?

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