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Bioarchäologie – Was macht eine Mumie im Krankenhaus?

15.08.2016, von , in Karte anzeigen

 

Die ägyptische Mumie soll im Computertomographen näher untersucht werden (Foto: NDR)

Die ägyptische Mumie soll im Computertomographen näher untersucht werden

Eine 2200 Jahre alte ägyptische Mumie soll im Hildesheimer Krankenhaus „durchleuchtet“ werden. Ägyptologen vom Römer und Pelizaeus Museum Hildesheim wissen, dass es der Priester Anch-Hapi ist. Doch die Inschriften verraten nicht, wie alt die Mumie zu Lebzeiten gewesen ist, und welche Krankheiten den Menschen plagten, der es einmal war. Das soll eine Computertomographie im Krankenhaus klären. Carmen Woisczyk hat die Hildesheimer Forscher bei der spannenden Suche danach im Krankenhaus begleitet.

Eingehüllt in Bandagen

Die Forscher versuchen auch ein weiteres Rätsel zu lösen: Ist die Mumie Vater oder Sohn? Denn es gibt noch eine zweite ägyptische Mumie in Liverpool in Großbritannien: Nes-Min. Vorherige Untersuchungen der Mumien und Hinweise in Inschriften lassen vermuten, dass beide Ägypter verwandt sind. Einen Beweis dafür gibt es aber noch nicht.

Die rund 2.200 Jahre alte Mumie des ägyptischen Priesters Anch-Hapi wird entpackt (Foto: NDR)

Die rund 2.200 Jahre alte Mumie des ägyptischen Priesters Anch-Hapi wird entpackt

Die Forscher heben die Mumie vorsichtig aus einer Holzkiste heraus und legen sie auf den Behandlungstisch. Sie ist komplett mit Bandagen umwickelt. Auf die Bandagen ist ein goldenes Gesicht und Kleidung aufgemalt. Schon an der Art der Kleidung ist sofort zu erkennen, dass es sich um eine ägyptische Mumie handeln muss. Die Forscher sind sich sicher, dass auch die Wickeltechnik der Bandagen ein Hinweis darauf ist. Sie ist bei beiden Mumien identisch. Auch das deutet auf eine Verwandtschaft hin.

Doch sind Anch-Hapi in Hildesheim und Nes-Min in Liverpool tatsächlich Vater und Sohn? Und wer ist wer? Mit Hilfe der Computertomographie wollen die Wissenschaftler das Krankheitsbild beider Mumien miteinander vergleichen und können so auch das Alter der Toten genauer bestimmen. Sie vermuten, dass beide Körper eine auffällige Verwachsung im Lendenwirbelbereich aufweisen.

Mumie wird durchleuchtet
Zusammen mit dem Krankenhauspersonal legen die Hildesheimer Forscher Anch-Hapi vorsichtig in eine stabile Position auf dem Behandlungstisch. Dann wird der Tisch automatisch in den Computertomographen geschoben, in eine Röhre, in der die Mumie mit Hilfe von Röntgenstrahlen durchleuchtet wird, so dass man ins Innere des Körpers sehen kann, ohne ihn zu zerstören.

Die Mumie kommt zur Untersuchung in die "Röhre" (Foto: NDR)

Die Mumie kommt zur Untersuchung in die „Röhre“

Auf dem Computerbildschirm werden sofort die ersten Bilder sichtbar: Es sind schwarz-weiß-Aufnahmen. Sie zeigen das Innere der Mumie scheibchenweise vom Kopf bis zu den Füßen. Im Schädel ist ein Flüssigkeitsspiegel zu sehen. Das Gehirn wurde wahrscheinlich durch die Nase entfernt, erklären die Ägyptologen. Man hat die Verstorbenen üblicherweise auf den Rücken gelegt und durch die Nase Balsamierungsflüssigkeit eingefüllt. Der eingetrocknete Flüssigkeitsspiegel ist auf dem Computerbild als weiße Masse im sonst hohlen Schädel zu erkennen. Auch Augenhöhlen, Nase und Hände, die auf der Brust aufliegen sind bis ins kleinste Detail zu sehen.

Rätsel noch nicht ganz enträtselt

Auf dem Monitor sind die Konturen der Mumie gut zu erkennen (Foto: NDR)

Auf dem Monitor sind die Konturen der Mumie gut zu erkennen

Die Organe wurden entfernt. Der Körper ist mit Füllmaterialien ausgestopft. Dann erscheinen auf dem Monitor die ersten Bilder der unteren Wirbelsäule. Auf diesen Bereich sind die Forscher besonders gespannt. Doch die vermuteten Verwachsungen sind nicht sofort zu erkennen. Die Bandscheiben zwischen den einzelnen Wirbelkörpern sehen auf den ersten Blick genauso aus wie bei einem gesunden Menschen. Die Abstände scheinen regelmäßig zu sein.

Die Bilder sollen in den nächsten Tagen aber noch genauer analysiert werden. Die Forscher wollen sich einzelne Bereiche wie mit einer Lupe am Monitor anschauen und so auch das Alter des Toten genauer bestimmen. Außerdem muss auch die Mumie in Liverpool noch genauer untersucht werden. So bleibt das Rätsel, wer ist der Vater und wer der Sohn, leider noch ungelöst.

 

Mehr zum Thema:

Mehr über Mumien erfahren Sie auch in der Ausstellung „Mumien der Welt“ im Römer- und Pelizaeus-Mueum in Hildesheim. Es ist die größte jemals gezeigte Mumienausstellung in Deutschland und umfasst 26 vollständig erhaltene menschliche Mumien. Sie läuft noch bis zu 28.8.2016.

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