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Plagegeister in Deutschland – Die Kartierung der Stechmücken

26.07.2016, von , in Karte anzeigen

Doreen Walther bestimmt eine eingeschickte Mücke. (Quelle: Julia Beißwenger)

Doreen Walther bestimmt eine eingeschickte Mücke.

In den 1920 und 1930 Jahren stellten Biologen fest, dass in Deutschland 50 der weltweit 3500 Stechmückenarten leben. Doch keiner weiß, ob diese Zahlen noch gelten. Möglicherweise sind einige Arten inzwischen hierzulande ausgestorben und andere eingewandert. Vor allem Mücken aus den Tropen sind bedenklich, denn einige können gefährliche Krankheitserreger übertragen. Um eine Übersicht über die Stechmücken in Deutschland zu gewinnen, hat das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung im April 2012 im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft das Projekt Mückenatlas ins Leben gerufen. Darin werden Bürgerinnen und Bürger deutschlandweit aufgerufen, Stechmücken zu fangen und ans Leibniz-Zentrum in Müncheberg zu schicken. Dort bestimmen Forscher die Insekten. Julia Beißwenger hat bei der Arbeit zugesehen.

Mücken kommen per Post
„Die Menschen schicken uns viele Mücken“, freut sich die Biologin Doreen Walther. 35 000 Tiere hat ihr Team bereits erhalten. Täglich erreichen 100 bis 150 neue Einsendungen das Labor. Viele Insekten schaut sich die Forscherin selber an. Am häufigsten liegt die Gemeine Stechmücke unter ihrem Mikroskop. Die Art kommt überall in Deutschland vor.

Jede eingesendete Mücke wird archiviert. Auf den Etiketten stehen die Mückenart, der Fundort und der Fundzeitpunkt. (Quelle: ZALF)

Jede eingesendete Mücke wird archiviert. Auf den Etiketten stehen die Mückenart, der Fundort und der Fundzeitpunkt. (Foto: ZALF)

Zur Bestimmung prüft Dorren Walter die Farbgebung der Tiere, die Länge der Beine und die Länge der Taster neben dem Stechrüssel. 45 verschiedene Stechmückenarten sind bisher im Leibniz-Zentrum eingetroffen.
Keine Mücke wird weggeworfen. Zur Archivierung spießt Doreen Walter ein Stück weiße Pappe auf eine Insektennadel. Auf die Pappe trägt sie Klebstoff auf, darauf setzt sie eine Mücke. An die Nadel kommen zwei Etikette, auf denen unter anderem der Fundort und der Name der Mücke stehen. So präpariert, geht das Insekt ins Mückenarchiv am Leibniz-Zentrum in Müncheberg.

 

Im Mückenarchiv lagern bereits über 35 000 Mücken. (Quelle: ZALF)

Im Mückenarchiv lagern bereits über 35 000 Mücken. (Foto: ZALF)

Aufgespießt und archiviert
Doreen Walther und ihre Kollegen geben die Daten jeder archivierten Mücke in die deutschlandweite Stechmückendatenbank ein. Mit Unterstützung von Wissenschaftlern des Friedrich-Loeffler-Instituts erstellen sie Verbreitungskarten der einzelnen Arten. Noch werden diese Karten für Forschungszwecke genutzt, sie sollen jedoch in wenigen Jahren öffentlich über das Internet zugänglich sein.

 

Invasive Mücken
Besonderes Augenmerk richten die Forscher auf invasive Arten wie die Asiatische Tigermücke und die Asiatische Buschmücke. Beide können zahlreiche tropische Krankheitserreger übertragen, wie zum Beispiel den Dengue- oder das Chikungunya-Virus.

Julia Beißwenger mit einer Einsendung, die eine Mücke enthält (Foto: WDR)

Julia Beißwenger mit einer Einsendung, die eine Mücke enthält

Mit Hilfe des Projektes Mückenatlas konnten Doreen Walther und ihre Kollegen feststellen, dass sich die beiden Arten zunehmend in Deutschland verbreiten. Die Tigermücke kommt bisher in Baden-Württemberg und Thüringen vor. Die Asiatische Buschmücke wurde bereits in Süddeutschland, Niedersachsen, Nord-Rhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz gefangen.

Weitere Informationen zum Projekt:
www.mueckenatlas.de/

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Kommentare zu „Plagegeister in Deutschland – Die Kartierung der Stechmücken“

Es sind 2 Kommentare vorhanden. Ich möchte einen Kommentar verfassen.

  1. Bernd Giering
    schreibt am 2. August 2016 22:00 :

    Hallo,
    warum wird hier keine Adresse angezeigt, an die ich gefangene Mücken schicken kann?
    Ich würde mich freuen, wenn sie mir mitgeteilt würde.

    • Ralf Kölbel
      schreibt am 8. August 2016 10:11 :

      Hallo Herr Giering, Danke für Ihren Hinweis. Weitere Informationen zum Projekt und auch Hinweise, wie das Einschicken von Mücken funktioniert, finden Sie im Internet unter der Adresse: http://www.mueckenatlas.de/
      Viele Grüße, R. Kölbel, SWR2 Bildung & Wissenschaft

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