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Wie giftig sind Pflanzenschutzmittel für Bienen?

19.07.2016, von , in Karte anzeigen

 

Die Bienen sind nicht aggressiv. Carmen Woisczyk und Institutsleiter Jens Pistorius (Foto: NDR)

Die Bienen sind nicht aggressiv. Carmen Woisczyk und Institutsleiter Jens Pistorius

Der Schutz von Bienen ist wichtig: Sie sind wichtige Bestäuber in der Natur. Leider können ihnen aber Viren, Milben oder andere Krankheitserreger dabei gefährlich werden. Oft stehen auch Pflanzenschutzmittel im Verdacht, Bienen zu vergiften und sogar zu töten. Aber stimmt das wirklich? Am neuen Bundesinstitut für Bienenforschung in Braunschweig wollen Forscher dem in Freilandversuchen auf den Grund gehen. Mit ihren Experimenten kontrollieren sie die Angaben der Hersteller von Pflanzenschutzmitteln, untersuchen Wechselwirkungen verschiedener Mittel und beraten den Gesetzgeber, der im Zweifel die Zulassung der Präparate entziehen kann. Reporterin Carmen Woisczyk hat die Braunschweiger Forscher bei ihren Feldversuchen begleitet.

 

David Thorbahn kontrolliert den Totenfall (Foto: NDR)

David Thorbahn kontrolliert den Totenfall

Auf dem Gelände des neuen Bundesinstituts für Bienenforschung in Braunschweig stehen rund ein Dutzend Bienenvölker in Reih und Glied direkt neben einem Versuchsfeld mit blühenden Pflanzen. Erst vor ein paar Tagen haben die Biologen dort eine Kombination aus verschiedenen Pflanzenschutzmitteln gespritzt, die Landwirte häufig genauso verwenden. Sie mischen dann Spritzmittel gegen Schadinsekten und Pilze mit Dünger und Nährstoffen, um Zeit, Wege und damit Geld einzusparen, erklären die Forscher. So eine Mischung könnte allerdings negative Auswirkungen auf Bienen haben, auch wenn die einzelnen Mittel nicht als bienengefährlich eingestuft sind. Außerdem werden Wirkungen der kombinierten Mittel-Mischungen in der Regel von den Herstellern nicht geprüft . Neue Feldexperimente seien also nötig, um den Schutz der Bienen garantieren zu können, sagen die Forscher in Braunschweig.
Aber wie sehen die Untersuchungen aus?

Emsige Bienen sind gesund

Reger Flugverkehr ist ein Zeichen für gesunde Bienen (Foto: NDR)

Reger Flugverkehr ist ein Zeichen für gesunde Bienen

Zuerst schauen die Wissenschaftler sich mehrmals täglich die Brutwaben in den Völkern genauer an. Die Tiere machen erst einmal einen gesunden Eindruck: Sie kümmern sich emsig um die Brut in den Waben, der Nachwuchs wird gut versorgt, das Volk wächst. Wären die Tiere dagegen lethargisch oder zeigten ein übermäßiges Putzverhalten, wären das erste Zeichen einer Vergiftung durch Pflanzenschutzmittel.
Außerdem schauen sich die Wissenschaftler den Flug der Bienen an. Es herrscht reger Flugverkehr, ein gutes Zeichen. Mehrere Mitarbeiter des Bundesinstituts sitzen rund um das Versuchsfeld und beobachten die Flugintensität in den Flächen, das Verhalten der Bienen auf den Blüten.

Wächterbienen kontrollieren Flugloch
Es könnte zum Beispiel vorkommen, dass Bienen nicht mehr in ihr Volk hinein gelassen werden, wenn sie mit dem Pflanzenschutzmittel in Kontakt gekommen sind. Denn einige Pflanzenschutzmittel riechen streng, das könnte den Eigengeruch der Bienen überdecken, so dass sie von den Wächterbienen am Flugloch abgewiesen werden. Abgewiesene Bienen würden sterben, und das könnte letztlich das ganze Volk schwächen.
Am Ende eines solchen Feldversuchs zählen die Forscher noch die toten Bienen in jedem Versuchsvolk.

Auch Bienen sterben an Alterschwäche

Zarge mit einem Brutnest (Foto: NDR)

Zarge mit einem Brutnest

Vor den Fluglöchern der Bienenvölker haben sie Holzkästen geschraubt. Auf der Oberseite ist ein Gitter mit feinen Maschen, durch die nur einzelne Bienen durchfliegen können. So wird verhindert, dass die Arbeiterbienen ihre toten Verwandten aus dem Volk heraustragen. Die Toten passen nicht durch das Gitter, sie fallen herunter und können anschließend von den Forschern eingesammelt werden. Die Zahl der toten Tiere in einem Versuchsvolk wird dann mit einer Kontrollgruppe verglichen, die nicht mit Pflanzenschutzmitteln in Berührung gekommen ist. Durch den Vergleich können die Biologen die Auswirkung der Pflanzenschutzmittel abschätzen.

Ihr Ergebnis bei diesem Versuch: Zählung und Vergleich mit der Kontrollgruppe sind unauffällig. Es liegen nur ein paar tote Tiere pro Volk im Totenfall. Das sei normal. Sie sind wahrscheinlich an Altersschwäche gestorben. Doch noch ist die Untersuchung nicht abgeschlossen. Die Bienen werden noch mehrere Wochen beobachtet, um Spätfolgen auszuschließen.

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