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Sprachanalyse per Software – Du bist wie du sprichst

04.07.2016, von , in Karte anzeigen

Sprachanalyse per Software - das verspricht das Programm "Precire" (Foto: Colourbox)

Sprachanalyse per Software – das verspricht das Programm „Precire“

Schon 15 Minuten Sprechen am Telefon verraten viel über die Persönlichkeit eines Menschen – und helfen uns, unser Gegenüber besser einzuschätzen. Das verspricht das Unternehmen Precire aus Aachen. Zusammen mit Psychologen und Informatikern von der RWTH Aachen und anderen Universitäten hat die Firma eine Software entwickelt, die unsere Sprache minutiös analysiert. Nicht den Inhalt des Gesagten, sondern wie wir etwas sagen.

Wie viele Verben benutze ich? Rede ich eher unpersönlich und sage „man“ oder fallen eher Wörter wie „ich“ oder „wir“? Wie viele Füllwörter, wie viele Laute wie „ähm“ oder „hm“ werden benutzt? Wie schnell spricht jemand, wie lang sind die einzelnen Wörter, wie laut ist die Stimme, wie groß sind die Schwankungen in der Tonhöhe, wie viele Pausen werden gesetzt?

Dirk Gratzel demonstriert die Funktionsweise von Precire (Foto: WDR)

Dirk Gratzel demonstriert die Funktionsweise von Precire

Precire-Chef Dirk Gratzel und seine Mitarbeiter können das gesprochene Wort präzise untersuchen, unter etwa einer halben Million unterschiedlicher Gesichtspunkte. Als Grundlage für die Analyse dienen 15-minütige Interviews, die man mit einem Computer per Telefon führt. Man wird nach einem typischen Sonntag, nach seinem Beruf oder seinen Hobbys gefragt.

Von Sprache und Sprechen schließen die an der Software-Entwicklung beteiligten Psychologen, Mathematiker und IT-Experten auch auf die Persönlichkeit des Befragten – auf die Neugier, die Risikofreude, die Leistungsbereitschaft, die Dominanz, die Offenheit, die Emotionalität. Außerdem macht die Software Aussagen über das aktuelle Empfinden: Wie belastet ist der Befragte im Moment, zum Beispiel von seiner Arbeit, und wie gut sind seine Erholungsstrategien?

Wie viel verrät eine Stimme über ihren Besitzer? (Foto: Colourbox)

Wie viel verrät eine Stimme über ihren Besitzer?

Um die Software zu entwickeln, haben Dirk Gratzel und seine Kollegen detaillierte psychologische Profile von knapp 6000 Menschen erstellt. Daneben wurde die Sprache der Probanden untersucht, in Form von langen Interviews oder geschriebenen Texten. Anschließend wurde beides miteinander verknüpft und nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden gesucht. Zum Beispiel: Was haben die besonders neugierigen Menschen auch sprachlich gemeinsam? Nach den Ergebnissen der Firma benutzen etwa neugierige Menschen nach der Lektüre eines Zeitungsartikels mehr Adjektive als weniger neugierige Personen.

Treffen künftig Computerprogramme Personalentscheidungen? (Foto: WDR)

Treffen künftig Computerprogramme Personalentscheidungen?

Ein Kunde von Precire ist der Zeitarbeitskonzern Randstad. Er nutzt das Programm, um seine eigenen Stellen in der Deutschlandzentrale des Unternehmens zu besetzen und die Bewerber besser einschätzen zu können. Andere Unternehmen setzen die Software zur Weiterbildung ihrer Mitarbeiter ein: So werden etwa Führungskräften oder Callcenter-Agenten Vorschläge gemacht, wie sie ihre Kommunikation – mit anderen Mitarbeitern oder Kunden – verbessern können.

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