. .

Ein Projekt von: BR | NDR | SWR | WDR

Eine Antibiotikum-Alternative aus der Kläranlage?

13.06.2016, von , in Karte anzeigen

Wo Bakterien sind, finden sich oft auch Bakterienfresser, so genannte Phagen. (Foto: NDR)

Wo Bakterien sind, finden sich oft auch Bakterienfresser, so genannte Phagen.

Was kann man tun, wenn Antibiotika nicht mehr helfen? Mikrobiologen vom Leibniz-Institut der Deutschen Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen suchen jetzt in Kläranlagen, Abwasserbecken und Tümpeln nach Alternativen. Dort tummeln sich überall sogenannte Bakteriophagen – also Bakterienfresser. In diesem Fall Viren, die im Kampf gegen die verschiedene  Bakterien eingesetzt werden könnten – zum Beispiel auch gegen gefährliche, multiresistente Krankenhauskeime, so genannte MRSA, sagen die Wissenschaftler.  Sie suchen immer neue Phagenarten und prüfen im Labor deren Wirksamkeit. Carmen Woisczyk hat sie dabei begleitet.

Stecken im Schlamm möglicherweise die Antibiotika der Zukunft? (Foto: NDR)

Stecken im Schlamm möglicherweise die Antibiotika der Zukunft?

Bakterien und Bakterienfresser
Mit einem Messbecher  nehmen die  Mikrobiologen  eine Wasserprobe aus einem kleinen Tümpel, in dem es von Bakterien nur so wimmeln soll. Sie vermuten, dass sie dort auch Bakteriophagen finden, die sich von Bakterien ernähren.

Anderen Organismen können diese Phagen nichts tun, sagen die Forscher. Das mache sie attraktiv als neues Medikament, möglicherweise auch als Alternative zu Antibiotika, wenn die nicht mehr helfen.

Laborvorbereitungen (Foto: NDR)

Laborvorbereitungen

Gelblicher Bakterienrasen
Im Labor wird das grüne, trübe Wasser zunächst einmal zentrifugiert und mehrmals filtriert, bis es vollkommen klar aussieht. Anschließend saugen die Forscher mit einer Pipette etwas davon auf und geben es tröpfchenweise in eine Petrischale, in der sie einen multiresistenten Bakterienstamm vorkultiviert haben. Die Bakterienkultur ist über Nacht auf einer Nährlösung gewachsen und sieht aus wie ein feiner, gelblicher Rasen am Boden der Petrischale. Dann heißt es abwarten.

Fraßspuren erkennbar
Sollten tatsächlich die passenden Phagen im Probenwasser sein, die gegen den multiresistenten Bakterienstamm in der Petrischale wirken, dann sei das schon am nächsten Tag mit bloßem Auge zu erkennen.

Fraßspuren im Bakterienfilm (Foto: NDR)

Fraßspuren im Bakterienfilm

In einer ihrer Proben ist deutlich zu sehen, dass die Phagen regelrechte Fraßspuren im Bakterienrasen hinterlassen haben. Die gefährlichen, multiresistenten Bakterien wurden abgetötet. Bis zu einem fertigen Medikament ist es allerdings noch ein langer Weg. Zwar würde es höchstens vier Wochen dauern, einen passenden Phagen im Labor zu identifizieren, doch für einen solchen Wirkstoff gebe es in Deutschland bislang noch keine Zulassung.

Share

Kommentare zu „Eine Antibiotikum-Alternative aus der Kläranlage?“

Es ist ein Kommentar vorhanden. Ich möchte einen Kommentar verfassen.

  1. Giuseppe Tizza
    schreibt am 6. Juli 2016 10:13 :

    Es ist mir gelungen, Urinkatheter so umzugestaltenm, dass man durch das Katheterisieren, keine Infektionen mehr verursacht werden.

Schreibe einen Kommentar

*

Kartendarstellung

Karte
 

Der SWR ist Mitglied der ARD.

Impressum | SWR ©2019