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Mit Lachsen flussabwärts – Fischabstiegsanlage im Test

19.05.2016, von , in Karte anzeigen

Die Lachse vor dem Start (Foto: BR)

Die Lachse vor dem Start

Mitte Mai wandern in Deutschland die letzten jungen Atlantischen Lachse als Lachs-Smolts in Richtung Meer, um dort erwachsen zu werden. Auf dem Weg warten so manche gefährliche Hindernisse: unüberwindbare Wasserkraftanlagen mit schnelldrehenden Turbinen etwa. Damit die nicht zur tödlichen Sackgasse werden, gibt es zwar schon an manchem Bauwerk Rechen als Barrieren und kleine Bypässe, also Kanäle, die als Schleichweg an der Anlage vorbeiführen. Nur, im Vergleich zu Fischtreppen, sind solche Fischabstiegsanlagen noch selten, und mit welchem Design die Fische ihre Umleitung am besten finden, untersuchen Forscher noch. Im Wasserlabor der Technischen Universität Darmstadt, testen Wasserbauspezialisten deshalb, wie Lachse per Schutzrechen stressfreier flussabwärts kommen. Silke Schmidt-Thrö hat sie dabei beobachtet.

Blick auf die Teststrecke im Wasserbaulabor (Foto: BR)

Blick auf die Teststrecke im Wasserbaulabor

Den Rhein flussabwärts bis zum Meer – April, Mai brechen junge Atlantische Lachse als Lachs-Smolts zur großen Wanderung auf. In Darmstadt haben es 13 Zuchtfische zuvor mit einer kürzeren Strecke zu tun: zehn Meter bei starker Rückenströmung. In der Laborrinne wartet dann eine schräg eingebaute Wand mit Querstreben, die aussieht wie eine Art Lüftungsgitter: Ein Rechen, der mit 30 Grad in Fließrichtung aufgeklappt ist.

 

Wanderhilfen für Fische

Durch die Glaswände können Silke Schmidt-Thrö und Professor Lehmann die Fische beobachten. (Foto: BR)

Durch die Glaswände können Silke Schmidt-Thrö und Professor Lehmann die Fische beobachten.

Boris Lehman interessiert, wie sie darauf reagieren. Mit Hilfe der Versuche will der Professor im Fachgebiet „Wasserbau und Hydraulik“ in Zukunft stressfrei an Stauanlagen vorbeileiten. Wanderhilfen flussabwärts gibt es im Gegensatz zu Fischtreppen flussaufwärts selten: „In Deutschland gibt es bislang nur ein, zwei Hände voll Fischabstiegsanlagen, die als so genannte Pilotanlagen mit experimentellen Status gebaut wurden,“ sagt er.

 

Umleitung unter Wasser

Schwarmbildung an einem Eck des Rechens (Foto: BR)

Schwarmbildung an einem Eck des Rechens

Rechen sind neben dem Bypass, der eigentlichen Umleitung, ein wichtiges Element. Sie verhindern schon jetzt Abstecher in Turbinen. Dass sich an ihnen auch Fische entlang leiten lassen, also „gieren“, konnten die Forscher beobachten. So könnte ein Rechen kräfteschonend zur Umleitung führen. Aber in welchem Winkel und welcher Bauweise bei welcher Strömung klappt es am besten?

 

Schwarmverhalten wird untersucht

Claudia Berger notiert das Verhalten (Foto: BR)

Claudia Berger notiert das Verhalten

Claudia Berger wartet unter einer Plane schon mit Klemmbrett, Stoppuhr und Kamera. Durch die verglasten Seitenwände kann die Ingenieurin vom Kooperationspartner, einem Energieversorger, die ankommenden Fische beobachten. Die bilden vor dem Hindernis einen Schwarm, manche brechen aus und schwimmen den Rechen mal an. Verdriften lassen sie sich nicht immer.

Die Beobachtungen finden im abgedunkelten Unterstand statt - Wellenbadrauschen inklusive.

Die Beobachtungen finden im abgedunkelten Unterstand statt – Wellenbadrauschen inklusive.

Manchmal schlägt zum Beispiel die Angst vor dem Hindernis den Wandertrieb. Aber bei der zweiten Gruppe klappt es: Einige Fische stehen scheinbar still im Wasser und lassen sich von der Querströmung am Rechen entlang treiben. Sie gieren. Welcher Rechen tatsächlich optimal ist, das wird sich erst am Ende vieler Versuche zeigen. Profitieren werden die Testschwimmer davon aber nicht mehr. Sie treten am gleichen Abend den Weg Richtung Meer an.

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