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45.000 Jahre im Eis – Woran starb Wollnashorn Sasha?

17.05.2016, von , in Karte anzeigen

 

Die Überreste des Wollnashornbays am Fundort (Foto: dpa)

Die Überreste des Wollnashorn-Jungtieres am Fundort

In Sibirien haben russische Jäger ein uraltes Wollnashorn im Eis entdeckt. Das Eis konservierte das Tier so gut, dass Auge, Ohr und hellbraunes Fell, sowie die Zähne erhalten blieben. Erstaunlich, denn Wollnashörner sind vor etwa 12000 Jahren ausgestorben. Das jetzt entdeckte Tier hat ersten Schätzungen zufolge sogar schon vor 45000 Jahren gelebt. Vermutlich ist das Jungtier aber schon im Alter von etwa 18 Monaten gestorben. Doch Forscher aus Russland, England, den USA und Deutschland wollen es ganz genau wissen. Sie wollen herausfinden, wie alt Sascha geworden ist, wann das Tier gelebt hat und wieso es sterben musste. Seine Lebens- und Todesumstände könnten Auskunft über Wollnashörner im Allgemeinen geben. An der Universität Hildesheim werden deshalb jetzt Sashas Zähne untersucht.

Biologe Carsten Witzel von der Uni Hildesheim zersägt Sashas Zahn, der zuvor in Kunststoff eingebettet wurde (Foto: Carmen Woisczyk )

Biologe Carsten Witzel von der Uni Hildesheim zersägt Sashas Zahn, der zuvor in Kunststoff eingebettet wurde

Einen von zwei Wollnashornzähnen wollen sich die Biologen der Universität Hildesheim unter dem Lichtmikroskop anschauen. Es ist ein Backenzahn, der zuvor in Kunststoff eingebettet wurde. Dadurch erhält der Zahn mehr Stabilität, um ihn weiter bearbeiten zu können. Er wird so präpariert, dass nur noch eine hauchdünne Scheibe übrig ist. Diesen sogenannten Dünnschliff legen die Forscher unter das Objektiv des Lichtmikroskops.

 

 

Zähne verraten Alter des Wollnashorns

Insgesamt zwei Zähne stehen den Forschern für ihre Untersuchungen zur Verfügung (Foto: Isa Lange, Biologin Uni Hildesheim)

Insgesamt zwei Zähne stehen den Forschern für ihre Untersuchungen zur Verfügung (Foto: Isa Lange, Biologin Uni Hildesheim)

Über eine Digitalkamera wird die Schnittfläche des Zahns auf dem Computerbildschirm übertragen. In der Vergrößerung sind nun bestimmte Wachstumsstrukturen finden. Eine sehr markante Struktur ist die so genannte Neonatallinie. Sie entsteht bei allen Säugetieren durch den Geburtsstress. Es ist sozusagen eine Störungslinie, die sehr gut den Zeitpunkt der Geburt manifestiert.

Außerdem gibt es weitere Wachstumslinien in den Zahnsubstanzen Schmelz und Dentin. Diese Linien sind viel feiner als die Neonatallinie. Sie machen die Altersbestimmung überhaupt erst möglich – zumindest dann, wenn die Zahnbildung noch nicht abgeschlossen war, als das Tier starb. Davon gehen die Forscher bei Sasha aus. Sie vermuten, dass es sich um ein etwa 18 Monate altes Jungtier handelt.

Prof. Dr. Horst Kierdorf legt den Dünnschliff unter das Lichtmikroskop

Prof. Dr. Horst Kierdorf legt den Dünnschliff unter das Lichtmikroskop

Anhand der im Eis gefundenen Überreste konnte das Lebensalter allerdings bisher nur grob geschätzt werden. Der Blick durchs Lichtmikroskop ist viel präziser, sagen die Hildesheimer Biologen. Sie zählen die feinen Wachstumslinien neben der Neonatallinie und können das Alter des Wollnashorns schließlich bis auf vierzehn Tage genau errechnen. Das funktioniert so ähnlich wie bei einer Baumscheibe, an der die Jahresringe abgezählt werden können.

 

Muttermilch und Gras als Nahrung

Noch sind die Untersuchungen nicht abgeschlossen. Aber der erste Blick durchs Lichtmikroskop verrät: Sasha ist nicht einmal ein halbes Jahr alt geworden. Außerdem ist an den Zahnspitzen eine leichte Abnutzung zu erkennen. Das heißt, das Jungtier hat sich offensichtlich nicht nur von Muttermilch ernährt. Erste Vermutungen legen also nahe, dass Wollnashörner ebenso wie heute noch lebende Breitmaulnashörner schon sehr früh zusätzlich zur Muttermilch Gras gefressen haben.

Sibirisches Wollnashorn (Foto: dpa)

So müsste ein ausgewachsenes Sibirisches Wollnashorn ausgesehen haben (Zeichnung)

Die Wissenschaftler hoffen, dass sie mit Hilfe von Sashas Überresten noch weitere Hinweise wie diesen finden. Es ist eine spannende Spurensuche, sagen die Biologen. Sashas Körper, seine Knochen und vor allem seine Zähne, könnten helfen, die bereits vor 12000 Jahren ausgestobenen Wollnashörner endlich besser zu verstehen.

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