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Wiese wird für Wisente aufbereitet

02.05.2016, von , in Karte anzeigen

 

Die Herde hat sich seit der Auswilderung stetig vergrößert. Derzeit leben 17 Tiere in Freiheit. (Foto: Wisent-Welt-Wittgenstein)

Die Herde hat sich seit der Auswilderung stetig vergrößert. Derzeit leben 17 Tiere in Freiheit. (Foto: Wisent-Welt-Wittgenstein)

Die Wisentherde im Rothaargebirge sorgt immer wieder für Ärger: Die 17 ausgewilderten Tiere verlassen nämlich regelmäßig das Projektgebiet auf Wittgensteiner Seite und knabbern auf Schmallenberger Gebiet Buchen an. Das ärgert die Waldbauern, einige haben schon geklagt. Jetzt sucht der Wisentträgerverein nach geeigneten Maßnahmen, um die Wisente im Projektgebiet zu halten. Eine Wiese soll in ein Wisentparadies verwandelt werden, sodass die Tiere gar nicht weiterziehen wollen.

Mehr Kräuter für die Wiese

Der alte Stacheldrahtzaun muss entfernt werden. (Foto: Christna Günther)

Der alte Stacheldrahtzaun muss entfernt werden.

Die Wiese: 16 Hektar ist sie groß, Löwenzahn wächst hier, das Gras beginnt zu sprießen. Deutlich zu sehen sind die breiten Treckerspuren, denn die Wiese wurde gestriegelt. Das heißt, es wurden viele  alte Pflanzen herausgerissen, sodass neue wachsen können. Wer genau hinsieht, erkennt kleine, weiße Kügelchen zwischen den Grashalmen: Das ist stickstoffarmer Dünger, der den Wildklee wachsen lassen soll. Der wurde vor kurzem ausgesät.
„Die Wiese ist perfekt“, erklärt Johannes Röhl vom Wisentträgerverein. „Die Tiere ziehen auf ihren Wanderungen meist entlang des Rothaarkammes – da kommen sie hier direkt vorbei. Finden sie hier ausreichend Futter, werden sie hoffentlich bleiben. Gleichzeitig haben sie durch das benachbarte Waldgebiet viele Rückzugsmöglichkeiten. Ich bin daher guter Hoffnung, dass diese Wiese hilft, den Streit wegen der geschälten Buchen beizulegen.“

Wisente schälen Buchen
Die geschälten Buchen: dieses Problem beschäftigt seit einiger Zeit die Gerichte, denn die Wisente schälen auf Schmallenberger Seite immer wieder Bäume.

Der Herde zu begegnen, ist wie ein Sechser im Lotto (Foto: Wisent-Welt-Wittgenstein)

Die Tiere sind friedlich, aber nicht so menschenscheu wie erhofft. (Foto: Wisent-Welt-Wittgenstein)

Warum sie das tun, ist nicht ganz sicher. Ein Gutachen von Michael Petrak von der Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung des Umweltamtes NRW hat deutlich gemacht: Wittgenstein muss attraktiver werden für die Wisente. Das bedeutet mehr Wiesen und mehr Abwechslung bei der Pflanzenwahl. Rohrglanzgasröhrichte, Mädesüßfluren oder Feuchtwiesen lassen ein Wisentherz höher schlagen.

Der Abbau des Zaunes ist echte Knochenarbeit (Foto: Christina Günther)

Der Abbau des Zaunes ist echte Knochenarbeit (Foto: Christina Günther)

Damit die Wiese bei Kühhude solch ein Wohlfühlort werden kann, muss erst der Zaun auf Wittgensteiner Seite weg. Mit Stemmeisen, Hammer und Trecker geht es an die mannshohen Pfosten. Allein auf Wittgensteiner Seite sind das mehr als 600 Meter. Das ist Knochenarbeit. Auf der anderen Seite, Richtung Schmallenberg, muss hingegen ein neuer Zaun aufgestellt werden – damit die Wisente nicht direkt in Nachbars Garten laufen.

Einzelne Häuser stehen hier, direkt dahinter schließt sich das Schmallenberger Land an – das Problemgebiet sozusagen.
„Den Wisenten sind politische Grenzen vollkommen egal“, sagt Johannes Röhl. „Ob die Wisente die Wiese annehmen, wissen wir natürlich jetzt noch nicht, aber ich denke da ganz positiv.“

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