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Bier wie im alten Ägypten – Brauversuch nach 4000 Jahren

26.04.2016, von , in Karte anzeigen

 

Altägyptisches Bier nach vier Tagen Gärung (Foto: BR)

Altägyptisches Bier nach vier Tagen Gärung

Da können die Bayern noch so stolz sein auf ihr 500 Jahre altes Reinheitsgebot – das Bier haben sie nicht erfunden. Vielleicht waren es die Chinesen, vielleicht die Mesopotamier, vielleicht auch die alten Ägypter. „Es waren natürlich die Ägypter“, sagen die Ägyptologen vom Staatlichen Museum Ägyptischer Kunst in München. Und um den Beweis anzutreten, haben sie das alt-ägyptische Bier eigenhändig nachgebraut;  nach 4000 Jahren alten Hieroglyphen-Rezepten.

Mehl, Malz und Wasser

Dabei steht bei dieser Methode vor dem Brauen das Backen. Alt-Ägyptisches Bier wird nämlich aus Brot gemacht:  Ein primitiver Sauerteig aus Gerstenmehl, Gerstenmalz und Wasser wird zu Fladen geformt und leicht angebacken.

Der Teig besteht nur aus Wasser, Gerstenmehl und Gerstenmalz (Foto: BR)

Der Teig besteht nur aus Wasser, Gerstenmehl und Gerstenmalz

Weil es in München keinen altägyptischen Ofen gibt, benutzen die Fachfrauen Roxane Bicker und Barbara Link einen nachgebauten alt-bajuwarischen Ofen im Freilichtmuseum. Der übrigens ausschaut und arbeitet wie ein Pizzaofen. „Funktioniert ziemlich ähnlich wie bei den alten Ägyptern und ist das Beste, was wir an Annäherung hinbekommen“, sagt Roxane Bicker.

 

 

Aus halbgarem Brot wird Bier

Ägyptologin Barbara Link maischt, d.h. vermanscht das Brot mit Wasser (Foto: BR)

Ägyptologin Barbara Link maischt, d.h. vermanscht das Brot mit Wasser

Die nur halbgar gebackenen Brotlaibe werden dann ins Wasser gebröselt und mit den Händen vermanscht. In modernen Brauereien nennt man so etwas Maischen: Die Stärke wird bei genau definierten Temperaturen in Malzzucker aufgespalten – aus dem Später der Alkohol wird. Die Maische wird anschließend aufwändig gefiltert, mit Hopfen gekocht, mit Hefe vergoren und schließlich nochmal gefiltert – bis irgendwann ein modernes Bier mit genau feststehendem Alkoholgehalt herauskommt.

Urtyp naturtrüb alkoholarm
Beim Altägyptischen Bier dagegen ist die Maische eine simple Brühe aus Brotbröseln und Brunnen-  oder Nilwasser. Die wird einmal gefiltert durch ein Korbgeflecht, dann vier Tage stehen gelassen – und fertig ist das Dünnbier.

Johannes Roßteuscher probiert und ist positiv überrascht (Foto: BR)

Johannes Roßteuscher probiert und ist positiv überrascht

Und tatsächlich: der  Versuch gelingt. Das Bier schmeckt sogar ganz genießbar: ziemlich frisch, ziemlich sauer, ein wenig nach Essig, ein wenig nach Joghurt, definitiv nach Brot und Malz.

Und weil es nicht nur um den Geschmack geht, haben die Ägyptologinnen Roxane Bicker und Barbara Link das Bier bei einer Münchner Brauerei analysieren lassen.

10 Barbara Link und Roxane Bicker lieben ihr Bier ohnehin Foto: BR)

10 Barbara Link und Roxane Bicker lieben ihr Bier ohnehin

Ergebnis: Stammwürze neun Prozent, Alkohol 1,5  Prozent. Typ: Berliner Weiße. Oder, wie Barbara Link sagt: „Urtyp naturtrüb alkoholarm.“

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