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Forschung im Hühnerstall – Das Zweinutzungshuhn

19.04.2016, von , in Karte anzeigen

So sehen neugierige, glückliche Hühner aus (Foto: NDR)

So sehen neugierige, glückliche Hühner aus

Eier oder Fleisch – bisher werden Hühner auf Hochleistung und nur für einen bestimmten Zweck gezüchtet: Entweder sollen sie möglichst viele Eier legen oder besonders viel Fleisch ansetzen. Das bedeutet allerdings: Bei Hühnern, die speziell zum Eierlegen gezüchtet werden, haben die männlichen Tiere keinen Nutzen. Sie setzen einfach nicht ausreichend Fleisch an und Hähne legen ja bekanntlich auch keine Eier. Deshalb werden sie schon kurz nach dem Schlupf aus dem Ei getötet und weggeworfen. Wissenschaftler der Tierärztlichen Hochschule Hannover wollen das jetzt ändern. Ihre Lösung: Das Zweinutzungshuhn. Die Hennen sollen viele Eier legen und ihre Brüder ausreichend viel Fleisch ansetzen können. Doch kann dieses duale Huhn mit herkömmlichen Hochleistungshühnern überhaupt mithalten? Wie viele Eier legt es und wie lässt sich die Leistung steigern? Das wollen die Forscher herausfinden.

Christian Sürie von der Tierärztlichen Hochschule Hannover schaut sich genau an, wie zufrieden und gesund die Hennen sind (Foto: NDR)

Christian Sürie von der Tierärztlichen Hochschule Hannover schaut sich genau an, wie zufrieden und gesund die Hennen sind

Überall gackern, laufen und flattern dutzende schneeweiße Hühner herum. Sie picken mit dem Schnabel im Stroh und scharren mit den Füßen. Mitten drin im Getümmel schlendern die Wissenschaftler von der Tierärztlichen Hochschule Hannover durch den Hühnerstall. Sie beobachten das Verhalten der Tiere und überprüfen ihren Gesundheitszustand.

Das Auge ist klar, Gefieder und Nasenlöcher sind frei von Schmutz, so soll es sein (Foto: NDR)

Das Auge ist klar, Gefieder und Nasenlöcher sind frei von Schmutz, so soll es sein

Ist das Gefieder sauber? Wie aktiv sind die Hennen? Ob viel Staub in der Luft ist oder vielleicht sogar Schadgase, lässt sich gut an einem klaren Auge ablesen, so die Forscher. Sie wollen ganz genau wissen, wie gesund und vor allem zufrieden die Legehennen sind. Denn glückliche Hühner legen viele Eier, hoffen sie.

Big Brother im Wohlfühlstall
Untersucht wird auch, ob eine attraktive Stallgestaltung dazu beiträgt, dass sich die Tiere wohl fühlen. Unter anderem streuen die Forscher jeden Tag Weizenkörner in das Stroh am Boden, um Hühner sinnvoll zu beschäftigen.

Die Eier gelangen auf dem Förderband zur Waage. Zuvor werden sie gedreht und durchleuchtet, um zu prüfen, ob sie heile sind (Foto: NDR)

Die Eier gelangen auf dem Förderband zur Waage. Zuvor werden sie gedreht und durchleuchtet, um zu prüfen, ob sie heile sind

Zur Beobachtung rund um die Uhr sind im Stall mehrere Kameras angebracht. Auch die Futter- und Wassermenge, das Gewicht der Hennen und das Stallklima werden in die Untersuchungsergebnisse mit einbezogen. Der Stall hat zwei Bereiche: Einen hellen, luftigen Auslauf mit viel Platz und Einstreu am Boden und einen Innenbereich, in dem die Hennen auf Sitzstangen schlafen können, Futter und Wasser vorfinden und Eier legen können.

 

 

„Glückliche“ Eier sind kleiner
Die Nester haben einen  schrägen Boden, damit die Eier auf ein Förderband rollen können. Die Eierbahn führt in einen Raum, in dem die Eier schließlich mit einer Waage automatisch gewogen und in verschiedene Gewichtklassen von XL bis S sortiert werden. Das Ergebnis: Die Eier wiegen zwischen 50 und 70 Gramm und es gibt eindeutig mehr Eier in der Größe M und S als in der Größe L und XL.

Im Wettbewerb würde das Zweinutzungshuhn mit diesem Ergebnis gegen eine herkömmliche Hochleistungshenne verlieren, so die Forscher.

Ein aufgeschlagenes, frisches Ei zerläuft nicht, das Eigelb trohnt auf dem Eiweiß (Foto: NDR)

Ein aufgeschlagenes, frisches Ei zerläuft nicht, das Eigelb trohnt auf dem Eiweiß

Allerdings sei es auch ein anderes Essgefühl, wenn man weiß, dass die Hennen nicht unter so hohem Leistungsdruck stehen und dass ihre Brüder nicht sofort nach dem Schlupf getötet und weggeworfen werden. Ein endgültiges Ergebnis liegt noch nicht vor. Das Forschungsvorhaben soll insgesamt drei Jahren dauern. Auch die Gewichtszunahme der männlichen Zweinutzungshühner soll noch genau untersucht werden.

 

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